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deroffenbarwiederbeiKurkommissionenundBürgermeisternumdie finanzielleUnter-
stützungeinesFremdenverkehrsfilmprojekts vorstelligwurde,wobei er vorgab, vonder
VaterländischenFrontSubventionenzuerhalten.859
ImZuge seiner zahlreichenVersuche,währendderNS-Zeit bei der Reichsfilm-
kammer Aufträge zu erhalten, beschuldigte er unverhohlen jüdischeMitbewerber
sowiedie„jüdischePresse“,mutwilliggegen ihnmobilgemachtzuhaben.AlleUn-
tersuchungen gegen ihn hätten „innerhalb von acht Wochen eingestellt
werden“müssen. Tatsächlich wurde Rossak 1932 und 1937 wegen Veruntreuung,
imMärz 1938wegendesVergehensder fahrlässigenKrida zu sechsWochenArrest
verurteilt. 1932 erfolgte zusätzlich eine Verurteilung wegen ausbleibender Unter-
haltszahlungenfürseineminderjährigeTochter.860
Um 1934 näherte sich Rossak zunehmendder NSDAP an. Er gründetemit seinem
„Parteigenossen“LudwigStreitriedleineFilmgesellschaftmitdembezeichnendenName
„ArischePropaganda-Werbefilm“. InseinenzahlreichenGutachtenundAnträgen,dieer
inderNS-Zeit stellte,betonteerseineArbeitals illegalerNationalsozialist.Erbeschwerte
sich über diverse gegen ihn betriebene verleumderische Feldzüge,wobei insbesonders
jüdischeVertreterderFilmbranche,HeimwehrleuteundangeblicheNS-Parteigänger,die
tatsächlich„andererGesinnung“wären,vonihmbeschuldigtwurden.
Die inseinemGauaktbefindlichenSchriftstückesindgeprägtvonSelbstmitleid,
Schuldzuweisungen, Anbiederungen, antisemitischen Ausfällen und Denunziatio-
nen. Hinsichtlich der von ihm in diesenUnterlagen angeführten illegalenNSDAP-
Mitgliedschaft ergeben sichnicht nurWidersprüche, er dürfte eine solcheauchnie
besessen haben. Vielmehr wurde er 1934 noch als Mitglied der Sozialdemokrati-
schenPartei geführt, 1937 trat erderVaterländischenFrontbei–unter Zwang,wie
ergegenüberdenNS-Behördenbeteuerte. 1938stellteer schließlichsogareinenAn-
trag auf Wiedergutmachung anlässlich des ihm aufgrund seiner NS-Gesinnung
unterdemaustrofaschistischenRegime„zugefügtenSchadens“.
Der von ihm vorgelegte Bericht stellt sich als theatralischer Leidensweg eines
treuen Gesinnungsgenossen dar, der zahlreiche politische Aktivitäten für die NS-
Bewegung gesetzt hatte. Trotzdemwurde Rossak eine Aufnahme in die Reichsfilm-
kammerverweigert.WährendderNS-Zeitwarereinige JahrealsBeamterbeiderAll-
gemeinenOrtskrankenkasse tätig.ÜbereinigeMonatehatteereineBeschäftigungals
Leiter der Abteilung „Propaganda“ des Wiener Reichskolonialbundes inne. 1942
nahmereineStellealsFilmvorführer imWienerHaydn-Kinoanundhandelteneben-
bei mit Schmalfilmkopien. 1943 wurde Rossak aufgrund seiner Vorstrafen die Auf-
nahme in die NSDAP verweigert.861 Diese Ablehnung sowie seine nicht sonderlich
859 ÖsterreichischeFilm-Zeitung,„Warnung!“,Nr.45,6.November1936,S. 1.
860 ÖStA,AdR,ZivilaktenNS-Zeit,Bundesministeriumfür Inneres/Gauakten,Akt„FranzRossak“,
Nr. 181973.Tode,FranzRossak,S. 148 f.
861 Tode, Franz Rossak, S. 150–160. ÖStA, AdR, ZivilaktenNS-Zeit, Bundesministerium für Inne-
res/Gauakten,Akt„FranzRossak“,Nr. 181973. 8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 201
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur