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Licht,SonneundWasserbraucht jederMensch“eingeblendetwird.NachderAufzäh-
lung einiger Credits betreffend Aufnahmeleitung und Kamera steht die Anreise zur
Badeanstalt im Zentrum. Eine Grafik verweist auf die direkte Umgebung des Neu-
waldeggerBadsunddenbestenAnreisewegmitöffentlichenVerkehrsmitteln. Ein il-
lustrativ angedeuteter Straßenbahnzug bewegt sich auf der Karte zur Endstation
Neuwaldegg. Aus leichter Aufsicht (erhöhte Kameraposition)wird die Haltestelle in
Realbildaufnahme in den Fokus genommen. Die Straßenbahnlinie 43 fährt ein,
neben ihr ist ein Radfahrer zu sehen. Bei der Station verlassen zahlreichePersonen
denZug.Damit endenaber bereits die bestenBilder dieses Films.Der anschließend
eingeblendete Zwischentitel ist unsauber gesetzt. Auf einem etwas nach rechts ver-
setzten weißen Hintergrund erscheint der Schriftzug „Besuchet das Neuwaldegger
Bad!“. Auf der linkenSeite ist eineRealbildaufnahme zu erkennen, die aber keinen
gezieltenEinblick auf dasGeschehenbietet. EswirdderEindruckerweckt, als hätte
manaufüberschüssigemFilmmaterialeinenZwischentiteleingeklebt.
InderFolgewerdenmöglichst vieleBereichedesNeuwaldeggerBadsabgefilmt,
zumeist in totaler oder halbtotaler Einstellung, womit ein Überblick über die
Anlageverschafftwird.DerEingangsbereich,Bassins,Liegewiesen,Spiel-undSport-
plätzesowiedasRestaurantwerdenpräsentiert–SchwenksoderAufnahmenauser-
höhter Position geben einen räumlichen Eindruck wieder und verweisen auf
dieWeiträumigkeit desGeländes. Eingeblendete Zwischentitel versprechenmehrals
zusehen ist.Der„heißeKampfumdenHandball“ ist ausderkurzen, totalenEinstel-
lungnicht einmal zu erahnen– einzelneFigurenbewegen sich auf einemSpielfeld.
Gleichfallsbietet dieAufnahmenachdemTitel„Schwimmenmussgelernt sein“nur
einenBlick aus erheblicherEntfernung,der sichbewegendeMenschen imund rund
umdasBeckenerkennenlässt.ZudemsinddieSzenerienzudunkelgefilmt.
Montage, Schnitt und Inszenierung sind mitunter unsauber und nicht ganz
logisch.Das imBadgelegeneRestaurantwird zweimal indenFokus gerückt,wobei
dieUnterbrechungder erstenAufnahmedurch eine schlecht gedrehte Beckenszene
unddiedarananschließendeneuerlicheundgleichartigeEinführungdesLokalsun-
stimmigscheint.DieSzenerienaufderKegelbahnbeginnenmiteinerTotalenaufdie
aufgestelltenKegeln. InderHalbtotalen folgenBildervonLeutenanderSpielanlage,
eineDamehat,wiemanan ihrerBewegungsehenkann,offenbar soebeneineKugel
geworfen, ein beleibter Mann wirft eine Kugel und bricht sofort in Jubel aus (er
hüpft).EinZwischenschnittaufdieBahnist jedochidentmitdererstenEinstellung–
keinKegel istandersdrapiert,keinerumgeworfen.DieAufnahmewirktkonstruiert.
Immer wieder stören Personen in alltäglicher Straßenkleidung das Bild – sie
stehen unmotiviert am Beckenrand, gehen durch das Bild, wobei völlig unbeant-
wortetbleibt,welcheFunktionsie innehaben.Wie inderFrühzeitdesKinosblicken
die Besucher des Bads gespannt in die Kamera, nicht selten dürften sie von den
Gestaltern zuAktionenaufgefordertworden sein. Bei der Restaurantaufnahmeaus
derAufsicht schauenalleGäste–wieaufAnweisung–gebanntund lächelndnach
oben. Auch das „lustige Treiben“ hat stark arrangierten Charakter: Die Badenden
8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 203
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur