Seite - 211 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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DenkenSie bei demWiener immer an seine sprichwörtlicheGemütlichkeit. [. . .] RedenSie in
einer Sprache, die derWiener versteht, bilden sie einfache, leicht fassbare Sätze, gebrauchen
SiedemWienergeläufigeAusdrücke, streifenSiewomöglich immeretwas,das ihmbesonders
schmeichelt, lobenSieWien . . .
Lassen Sie denWiener denken, regen Sie seinen Gedankengang an und leiten Sie ihn
dahin,dasser selbst zudemSchlusskommt,denSieanstreben,denner ist stolzdarauf,wenn
er Ihnen seineÜberlegenheit beweisen kann,wenn er zeigen kann, dass er ja auch ohne ihr
ZutundenKernderSacheerfasst.
Wenn man es genau nimmt, werden „dem Wiener“ bzw. „dem Österreicher“
hier Chauvinismus, Selbstverliebtheit und eine gewisse Einfältigkeit unterstellt.
„Harmonisch“ und „schlicht“ sollte sich die ideale Werbung für ihn gestalten,
wobei der hier dargelegte Kunstgeschmack durchaus als konservativ zu verste-
hen ist, denn „optische“ und „akustische Dissonanzen“ lehne der Wiener
angeblich ab.904
Tatsächlich findetsich indenFachblätternwiederholtderEinwurf,dass inÖs-
terreich „allzu extreme Kunstrichtungen“ keinen Fuß fassen könnten.905 Avant-
gardistische Strömungen, die durch Künstler wie Oskar Fischinger, Walter
Ruttmann,VikingEggelingundHansRichterEingang indendeutschenWerbefilm
der Weimarer Republik fanden,906 blieben in der österreichischen Filmwerbung
der Zwischenkriegszeit aus. Bei den Kurzfilmherstellern Österreichs stellte man
diesbezüglich „mangelnde Experimentierfreudigkeit“ fest.907 Allerdings mussten
die Reklamefilmhersteller immer darauf bedacht sein,mit allen erdenkbaren „At-
traktionen“dieAufmerksamkeit desPublikumsauf sichzuziehen.Technische In-
novationen wie das Ton- und Farbfilmverfahren sollten maßgeblich dazu
beitragen,denWerbefilmattraktiverzumachen.
9.2 Technische Innovationen–Ton-undFarbfilm
. . . so hat dasAufkommendes Tonfilms dieMöglichkeiten dieser Propagandanicht nur ver-
doppelt,neinvervielfacht,dennhier liegtwohldieeinzigeWerbemöglichkeit vor,die zurglei-
chen Zeit auf Auge und Ohr des Umworbenen einwirken kann. Und neuerdings kommt als
904 Ebd.,S. 24.Österr.Reklame-Praxis,„DieWienerMesseund ihreWerbung“, Februar/März 1936,
S. 7.
905 Österreichische Reklame, „Stil, Geschmack und Rasse“, Nr. 5/6, Dezember 1927, S. 7 f.
Ebd., „Nationale Einflüsse auf die formale Gestaltung derWerbemittel“, Nr. 1, 1929, S. 10 sowie
ebd., „WasessenSie am liebsten?“, Nr. 1, 1929, S. 24 f.DerWiener Film, „ÖsterreichischeFilmwer-
bung“,Nr.4, 2. Juni 1936,S. 5.
906 Forster, Ufa undNordmark, S. 33. Vor allem zuWalter RuttmannsWerbefilmarbeiten siehe:
Cowan,Michael:AbsoluteAdvertising:WalterRuttmannand theWeimarAdvertisingFilm, in:Cin-
emaJournal52,Nr.4,Sommer2013,S.49–73.
907 DerWienerFilm,„ÖsterreichischeFilmwerbung“,Nr.4, 2. Juni 1936,S. 5.
9.2 Technische Innovationen–Ton-undFarbfilm 211
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur