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weitereStufederVervollkommnungnochdieFarbehinzu,dieeigentlicherstdieKrönungdie-
serWerbemethodedarstellt.908
Ton- und Farbfilmverfahren stießen in der zeitgenössischenMarketing- und Kon-
sum-Fachpresse auf großeundausgesprochenpositiveResonanz.Die neuenTech-
niken trieben die Produktionskosten erheblich in die Höhe. Während mit dem
TonfilmdieKostenum100bis 300Prozent stiegen, brachteder FarbfilmErhöhun-
genumetwa30bis50Prozentmit sich.909 InderFolgesetztensichWerbekurzfilme
voneinerLängebiszuvierMinutenzunehmenddurch.910
Um bei der Vertonung Kosten zu sparen, wurden Geräuschemeist nachsyn-
chronisiert.911 Mitunter versuchte man noch Mitte der 1930er-Jahre, das teure
Lichttonverfahrenzuumgehen,ohneaufTonundMusikzuverzichten.Eigensan-
gefertigte „Spezialplatten“ begleiteten stumme Reklamefilme und kosteten nur
einenBruchteil der bereits gängigenTonfilmproduktion.912 Zugleichwurdedavor
gewarnt, gerade bei Ton und Musik, welche die Wirkung des Werbemittels tat-
sächlich ungemein erhöhten, den Sparstift anzusetzen.913 Vielmehr wurde den
Auftraggebern geraten, durchaus für Eigenkompositionen Geld in die Hand zu
nehmen.Mankönntedamit Tantiemen sparenundobendreinMarkeundProdukt
eine spezielle Note verleihen. Dagegen unterstellte das FachblattÖsterreichische
Reklame den Werbefilm-Dramaturgen „geistige Armut“, wenn „Schöpfungen
Meister Schuberts für Waschmittel, Schuhcreme und dergleichen missbraucht“
werden.EigenskreierteMusikstückeundSzenerien fürunterschiedlicheProdukte
würden sich bewähren. Auch bei denDarstellern hätteman auf Qualität zu ach-
ten. Billige Filmstatisten brächten eben nicht dieselbe stimmliche Leistung wie
gute und ausdrucksstarke Schauspieler.914 Einen erheblichen Vorteil hatte das
Tonfilmverfahren jedenfalls mit sich gebracht: Das so oft beanstandete zu
schnelle AbspielendesWerbeblockswar nichtmehrmöglich. Dadurchhätte sich
der Ton derart verzerrt, dass die Kinobesucherinnen und -besucher sich allzu
rasch irritiertundverärgertgezeigthätten.915
Ab 1929 gewann der tönendeWerbefilm imdeutschsprachigen RaumanBedeu-
tung,wurdesukzessivqualitativhochwertigerundsetzte sichschließlich immermehr
908 Reklame-Presse,„FilmwerbungundWerbefilm“,Nr. 2,September1936,S. 2.
909 Zu den veranschlagten Kosten (100 bis 300 Prozent Preissteigerung) für den tönenden Film
siehe das Kapitel „Einzelkämpfer für ein neuesWerbemittel“. Zu den Farbfilmpreisen siehe: Fors-
ter,UfaundNordmark,S.33und177.
910 AbBeginnder 1930er-Jahre dominierenWerbefilmproduktionmit einer Länge von 30 Sekun-
denbiszuvierMinuten.Vgl. dazuauchdieFilmografienderKurzfilmhersteller imAnhang.
911 Contact,„WieentstehteinWerbefilm?“,Nr. 7/8, Juli/August 1935,S.30.
912 Verkaufspraxis,„Filmwerbung imEinzelhandel“,Nr. 10, Juli 1935,S. 599.
913 Verkaufspraxis,„WaszurKinoreklamegesagtwerdenmuß!“,Nr.7,April 1930,S.406.
914 Österr.Reklame,„DerReklametonfilm“,Nr.5,Mai 1930,S. 12 f.
915 Ebd.,S. 12.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur