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durch.916 Der Ton ermöglichte es vor allem, Lokalkolorit verstärkt einzubringen,wo-
durchdasPublikumpersönlicher angesprochenwerdenkonnte. SprachlicheFeinhei-
ten undDialekte sowie regionalemusikalische Elemente (etwaHeimatmusik,Wiener
Volkslieder, Operettenthemen etc.) gaben nicht nur den beworbenen Produkten und
Dienstleistungeneinelokale,vielleichtsogarnationaleNote,diepotenziellenKäuferin-
nen und Käufer fanden in denWerbefilmen vermehrt eigene kulturelle Alltags- und
Lebensweltenwieder.
Ab 1933 war schließlich auch die Produktion farbiger Reklamestreifen in Öster-
reich technischumsetzbar, ab etwa 1935wurdedieHerstellung vonFarbwerbefilmen
tatsächlichvermehrtaufgenommen.917AusösterreichischerProduktion isteineinziger
farbigerReklamefilmderZwischenkriegszeiterhaltengeblieben.NIKY (A1937),gedreht
imGasparcolor-Verfahren,warb fürdieZigarettenmarke„MildeSorte“derÖsterreichi-
schenTabakindustrieundsetztedabei auforientalischeMotive.DasmusikalischeBe-
gleitstückzudemFilmwurdevomWienerBohèmeQuartettdargeboten.918
Die Kurzfilmhersteller, besondersHans Ludwig Böhm, starteten 1935 eine um-
fassende Kampagne, um den Farbfilm in Österreich zu popularisieren. Zahlreiche
Vorträge, Vorführungen und Artikel warben für diese technische Innovation.919
EinemBerichtwurdesogareinGasparcolor-FarbfilmstreifenzurVeranschaulichung
beigelegt.Werbefachleute sollten soaufhaptisch-optischeWeise fürdasVerfahren
begeistertwerden.920
Die besonderen Vorzüge des -Reklamestreifens wurden nachhaltig herausge-
strichen: Gab es bislang vereinzelt kolorierte Schwarz-Weiß-Filme, die jedoch stö-
rende Farbschwankungen aufwiesen und stets künstlich wirkten, so konnte man
nun die Konsumentinnen und Konsumentenmit naturgetreuen Farben verlocken.
Erzeugnisse und Markenpackungen wären nun „lebenswahr und originalgetreu“
im bewegten Bild darstellbar. Der Wiedererkennungseffekt war somit tatsächlich
916 Österreichische Film-Zeitung, „Der erste Sprech-Trickfilm“, Nr. 7, 9. Februar 1929, S. 24. Ebd.,
„DererstedeutscheWerbe-Tonfilm“,Nr. 13, 23.März 1929, S. 14.Ebd.,„DerersteWerbetonfilmder
Klangfilm“, Nr. 18, 27. April 1929, S. 27. Ebd., „Pressebesprechung über den Tonfilm“, Nr. 39, 21.
September 1929, S. 3 f.DasKino-Journal, „DerWerbefilmunddieLichtspieltheater“,Nr. 1215, 1933,
S. 52.
917 Contact, „Werbungdurch denFilm“, Nr. 12, Dezember 1933, S. 19.DasKino-Journal, „Farbige
Werbefilme“,Nr. 1276, 1935,S. 5.
918 DadasWiener BohèmeQuartett in den 1930er-Jahren immerwieder von der AdiMayer Film
für Reklamestreifen eingesetzt wurde, könnte es sich bei NIKY um eine Produktion dieser Firma
handeln. Siehe dazu auch dasUnterkapitel „GustavMayer / AdolfMayer“. Der Filmbefindet sich
imBestanddesFilmarchivAustria.
919 DasKino-Journal,„FarbigeWerbefilme“,Nr. 1276, 1935,S.5.Österr.Reklame-Praxis,„FarbigeFilm-
reklame“, Jänner 1935, S. 29 sowie ebd., „Der Farbentonfilm“, Februar/März 1936, S. 11–13.Der gute
Film,„Farbenfilme“,Nr. 123/124, 19.April 1935,o.S. sowieebd.,„VortragüberFarbenfilm“, 12.Novem-
ber1935,o.S.ÖsterreichischeFilm-Zeitung,„DasAgfacolor-Verfahren“,Nr.44,29.Oktober1937,S.3.
920 Österr.Reklame-Praxis,„DerFarbentonfilm“,Februar/März1936,S. 11–13.
9.2 Technische Innovationen–Ton-undFarbfilm 213
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur