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Engs Karikaturen bebilderten und kommentierten auch Reklame-
Verbandsberichte,957 auch Artikel über die fragwürdigen Methoden mancher
WerberundReklamepsychologenwurdenvon ihmperZeichnungundText kom-
mentiert.958 Die Werbebranche war offenbar selbstkritisch und humorvoll
genug, um derartig kritische Kommentare bewusst zuzulassen. Auch scherzte
Eng–mit bitteremUnterton–überdieArbeitsbedingungen,mit denener inder
reklametreibendenSparte konfrontiertwar: „Humor ist das,was einemvergeht,
wennman eine gelungeneReklame so korrigierenmuss, dass sie schlechtwird.
[. . .]Wer hatHumor?Derjenige, der sich 10 Jahre lang, 10 Stunden täglichplagt
undversucht, einedeprimierteStadtdurchAufsätze,KarikaturenundPlakate in
bessere Laune zu versetzen, nicht einen einzigen staatlichen oder städtischen
Auftrag erhält, der nicht einmal einAtelier hat, der schließlich feststellenmuss,
dass die einzige Behörde, die sich für sein Schaffen interessiert, die Steuerbe-
hörde ist,unddochnichtSelbstmordbegeht,derhatHumor.“959
ImöffentlichenRaumwarenEngsArbeiten immerwieder zu sehen.Verschie-
denste Print-Kampagnen beruhten auf den humoristischen Einfällen des Zeich-
ners, so u.a. eine groß angelegteWerbereihe, die den Konsum von Bananen im
Land beleben sollte.960 Die von Eng stilisierten Charaktere waren aber oftmals
mehr verschroben undmieselsüchtig als feinsinnig und charmant, weshalb das
FachblattÖsterreichischeReklame resümierte:„Nicht jedeWareverträgtdenPeter
Eng.“961
1929bis 1934verbrachtenPeterEngundseineFrauAnnaPölz, ebenfallsGrafi-
kerin, inBerlin, dann inOlmütz, umschließlichwiedernachWien zu ziehen. 1938
fand sich in der ZeitschriftTonfilm, Theater, TanznochderHinweis,wonachPeter
Eng im Kleinkunstbereich – u.a. als Chansonier – tätig war.962 Nach dem „An-
schluss“Österreichs anNS-Deutschlandmeldete sich das Paar imApril 1938 nach
Olmütz ab. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei und
unter der Annahme, keine Aussicht auf eine Ausreisevisum zu haben, wählten
957 Peter Eng bebilderte den Artikel über die 25. Tagung der „International Advertising Associa-
tion“ inBerlin,deru.a.auchüberdieNotwendigkeit sowiedieethischeLauterkeitderBranchebe-
richtete, mit Karikaturen. Siehe: Österreichische Reklame, „Mitteilungen des Verbandes
österreichischerReklamefachleute“,Nr.8,August 1929,S. 24–28.
958 ÖsterreichischeReklame,„ErfolgmodernerWerbepsychologie . . .“,Nr. 7, Juli 1929,S. 17.
959 ÖsterreichischeReklame, „EinBrief PeterEng’s [sic!] überdenHumor inderReklame“,Nr. 11/
12,Mai/Juni 1928,S.7.
960 ÖsterreichischeReklame, „DarPeter Eng!“, Nr. 11/12,Mai/Juni 1928, S. 9 f. Auchdie grafische
Werbeleiste zueinemBerichtüberDiapositiv-Kinowerbung imdeutschenFachblattReklame-Praxis
erinnert im Stil an Peter Eng. Vgl.: Reklame-Praxis, „Mehr Leben in die Kino-Reklame“, Nr. 8,
April 1927,S. 241.
961 Ebd.
962 Tonfilm,Theater,Tanz,„PeterEngsKleinkunst“,Nr. 3,März1938,S.8.Schneider,Engelmann,
S. 129–131. 9.3 Animationskunst 219
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur