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in humorvollerWeise für dieNutzungdiesesVerkehrsmittelswarben.973 „DerWie-
ner“wurde in der „Pickerl-Reihe“nicht unbedingt charmant gezeichnet, vielmehr
zeigte Eng einen Prototypen, der Neuerungen gegenüber grundsätzlich vorsichtig,
ja geradezu skeptisch eingestellt ist und sichmitunter durch völlige Ignoranz aus-
zeichnet. In Einzelkarikaturennäherte sichEngdemsatirisch gezeichnetenTypus:
EindicklicherHerrmitschütteremHaarundZwirbelbart trägtRock,karierteHosen,
Hemdsärmel, Stock und Zylinder. Das erste Bild der Aufkleber-Serie titeltmit: „Ist
derWienerblind?Erbenützt fürdieDurchquerungderStadtnoch immernichtden
Autobus.“Die visuelleUmsetzungderGrafik verstärktmitWitz denTextteil. Links
imHintergrund ist ein städtischer Bus zu sehen, dessenRückfront eineOptikerre-
klameziert.Rechts imVordergrundschreitetderWienermiteinerAugenbindequer
durchdasBild. Bild zwei zeigt den aufgrundderDurchquerungder Stadt schwitz-
endenMann, im fernerenHintergrund ist ein Bus vor demStephansdom skizziert.
An derHutkrempe haben zwei Vögel Platz genommen, diemit „So fahr halt!“ zur
BenutzungdesBussesaufrufen.Der textlicheKommentarähnelt inderAusrichtung
Bildeins:„WiebenütztderWienerdenAutobus?Er renntdanebenher!“ Imdritten
Bild hat es nun eine Entwicklung gegeben. Der Skeptiker steht grübelnd vor der
Haltestelle „Stephansplatz“ und fragt sich: „Soll ich? Soll ich nicht? Durch die
Stadt mit demAutobus?“ Bild vier bringt dieWende. DerWiener blickt aus dem
Bus, lächelt beseelt. Auf demunteren Teil desVerkehrsmittels ist die Botschaft zu
lesen:„Esgeht jaganzgut!DurchdieStadtmitdemAutobus“. Bild fünfundsechs
dienenzurergänzendenInformation.DerprototypischeWiener istmittlerweilezum
Mittler undWerber geworden. Vor einer Tafel erklärt er einemanderenMann,wo
der Bus fährt undwie günstig die Fahrt ist. Neue Sohlen– so schließt er– kämen
da teurer. Schritt für Schritt, gepaart mit Humor, wird eine Verhaltensänderung
herbeigeführt.
In gleicher Art ist ein parallel dazu produzierter Werbefilm aufgebaut. JA,
WARUMFAHRNSDENNNET? (A 1924/25)wurde ebenfalls vonPeter Engkünstlerisch
umgesetzt.AusgangspunktdieserAufkleber- undFilmkampagnewaroffensicht-
lichdieEinrichtungeines innerstädtischenBusbetriebs.974 ImOktober 1923ging
die Strecke Schottentor–Stephansplatz–Schwedenplatz in Betrieb, im Oktober
1924 folgten die Etappen Schottentor–Stephansplatz–Wollzeile (Linie „I“),975
973 DieAufkleber-Seriewurde in derÖsterreichischenReklame zurDemonstration eines erfolgrei-
chenWerbekonzepts vonPeter Eng abgedruckt. Siehe:Österreichische Reklame, „Dar Peter Eng!“,
Nr. 11/12,Mai/Juni 1928,S.8.
974 Marincig,Harald:DieWiener Linien. 140 Jahre öffentlicher Personennahverkehr inWien.Die
Geschichte der städtischen Verkehrsmittel Straßenbahn, Stadtbahn, U-Bahn und Autobus, Wien
2005,S. 178.
975 Marincigweist die Strecke der Linie „I“ folgendermaßenaus: „Schottentor– Stephansplatz–
Weiskirchnerstraße“. Siehe:Marincig,WienerLinien,S. 178.DerFilmhingegennenntundzeigtdie
Station „Wollzeile“ anstatt der Station „Weiskirchnerstraße“. Dies erklärt sichwie folgt: Ein Teil-
stück (vomRingbis zumWienfluss), das einst zurWollzeile gezählthatte,wurde 1926umbenannt.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur