Seite - 246 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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Die Verbreitung der Schmalfilm-Vorführungen erzeugte denMissmut der Licht-
spieltheaterbetreiber.ManfürchteteumdaseigeneGeschäftundverlangteBeschrän-
kungen.Gelegentlichagiertedas fürdieKonzessionenzuständigeMagistrat imSinne
derKinobrancheundverweigertedieAusstellungvonVorführgenehmigungen.Aller-
dingsgabesgerade imLichtspieltheaterbereichwiederholt Beschwerdenseitensder
per Filmwerbenden Unternehmen, wonach Reklamestreifen nicht ordnungsgemäß
(weil etwa zu schnell) vorgeführtwurden. Sowarendiese FilmedenKinobetreibern
mitunter lästig, die Gebühren, die für die Aufführung derWerbeeinschaltungen ge-
leistetwerdenmussten,wolltemansichabernichtentgehenlassen.
Prinzipiell stellte sich unter Auftraggebern, Produzenten und Lichtspieltheater-
besitzern die viel diskutierte Frage,wo der Reklamefilm an sich den bestmöglichen
Präsentationsrahmen fand undwie filmischeWerbemittel idealerweise zu gestalten
waren.Bezüglichdes jeweiligenAufführungsortsmehrten sichdieStimmen,welche
dieLängedesFilmszumGradmessermachten.Werbefilmemit „Überlänge“wurden
tendenziell außerhalb des regulären Kinobetriebs gezeigt, da sie sowohl bei den
Lichtspielbetreibern als auch bei denKinobesuchern aufwenig Gegenliebe stießen.
Längere Reklamestreifen hatten mitunter einen belehrend kulturellen Charakter,
warenmeist sachlichausgerichtetundkamen inspeziell konzipiertenPräsentations-
rahmenmit erläuterndemKommentator bestens zur Geltung. Der kurzeWerbefilm
hatteseinenPlatz imKino,derwerbendeCharaktersollteabernichtzuoffensichtlich
in Erscheinung treten. Eine pointierteWerbebotschaft amEndedes Streifenswurde
als geradezu „ideal“ angesehen. Insgesamt hatte der Werbefilm vornehmlich das
Publikumzuunterhalten.
Hinsichtlichder„idealtypischenKonzeption“desWerbefilmsoffenbartensich je-
doch auch die durchaus unterschiedlichen ökonomischmotivierten Absichten sei-
tensderAuftraggeberundKinobetreiber.WährendErsteredarauf pochten, dassdas
Auslösen einer Kaufhandlungweit vor demUnterhaltungswert eines Films anzuset-
zen seiundnie außerAchtgelassenwerdendürfe,wolltenLetztere ihrenBesuchern
auch imWerbeprogramm insbesonders akustisch und visuell Ansprechendes sowie
unmittelbaren Humor bieten – selbst wenn dieser ins Derbe abgleitenmochte. Die
österreichischenMarketingexperten lehntenallerdings jedeFormdes„unkultivierten
Humors“ ab. Niveauvoll, stilsicher, gefühlvoll und demnach dem „heimischen Ge-
schmack“angepasst, hatte sichdieWerbungzugestalten,wobeimanbisweilendas
mentaleErbederMonarchie insSpielbrachte.AllzuavantgardistischeAnsätzewären
inÖsterreichabergenerellzuvermeiden–soderallgemeineTenor.
Durchaus positive Resonanz fanden hingegen technische Innovationen imBe-
reichFarbe,TonundAnimation. Zwar stiegendieProduktionskosten, imGegenzug
wurdendieReklamefilmeaber immerkürzerundprägnanter.DieheimischenKurz-
filmherstellerpropagiertendieneuentechnischenMöglichkeitenundwarbenso für
ihrMetierunddas filmischeReklamemittel ansich. SienutztenvorallemTon-und
Animationsverfahren, umdieWerbebotschaftmöglichst ansprechend zugestalten,
einigeentwickeltenaucheineeigeneStilrichtung.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur