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senschafteninabsolutenZahlenindenerstenJahrenziemlichausgeglichenund
neigte sich Ende der 1920er und insbesondere in den 1930er Jahren deutlich
RichtungRechtswissenschaften–wennauch auf insgesamtniedrigemNiveau,
denn der Anteil von Studentinnen an derWiener Rechts- und Staatswissen-
schaftlichenFakultät betrug inden1920er Jahrenkonstant5bis6Prozentund
stieg seitEndeder1920er Jahrekontinuierlichauf9bis 10Prozent an.
DieBezeichnung»Frauenstudium«hielt sichüberdie Jahrehinweghartnä-
ckig, sodass über die Gründe der Schmähung nur Mutmaßungen angestellt
werden können: Solltemit dieser Titulierung vielleicht weniger eine Aussage
über die tatsächliche Geschlechterverteilung getroffen als vielmehr eine Ab-
wertung intendiertwerden? Immerhin galt es für dieAbsolventenderRechts-
wissenschaften, dieKonkurrenz auf demArbeitsmarktwenigstens durchüble
Nachrede zu entschärfen. Denn die expandierende Bildungsbeteiligung der
Frauen verschärfte denKampf umdie Arbeitsplätze. Die durch die weibliche
ErwerbsarbeitwährenddesErstenWeltkrieges erstarkte Frauenbewegung, die
umso vehementer an die Universitäten drängte, sollte in die Staatswissen-
schaften gedrängt werden, um sie vomRechtsstudium abzuhalten. Denn das
Studium der Rechte war immerhin Voraussetzung für das Richteramt, den
AnwaltsberufunddenhöherenStaatsdienst.
4. Rechtsakademie fürFrauen
NebendengenanntenPetitionenundDenkschriftenhatteeswährenddesErsten
Weltkrieges noch öffentlichkeitswirksamere zivilgesellschaftlicheMaßnahmen
gegeben, um auf eine Zulassung der Frauen zumRechtsstudium zu drängen.
Ausdrücklich als Protestmaßnahme gegen die Untätigkeit des Unterrichtsmi-
nisteriums wurde in Wien eine »Rechtsakademie für Frauen« als private
Hochschule gegründet und am9.Dezember 1917 feierlich eröffnet. Auchhier
federführendwarwieder einmal EdmundBernatzik. DerRechtsprofessor, der
denAusschlussderFrauenvomJusstudiumalsverfassungswidrigqualifizierte,
war 1901 dem Verein für erweiterte Frauenbildung beigetreten, wo er unter
anderem Genia Schwarzwald kennenlernte, die in jenem Jahr das Mädchen-
lyzeum amWiener Franziskanerplatz übernommen hatte. Schwarzwald sollte
einewichtigeRolle in der Frauenbildung, gerade auchhinsichtlich des rechts-
wissenschaftlichenStudiums spielen.Denndie in ihrer Schulanstalt angebote-
nen Fortbildungskurse waren laut Holmes »wichtige Teilerfolge im Zermür-
bungskriegumGleichberechtigunginderBildung«141undsindrückblickendals
VorläuferderRechtsakademie fürFrauenzusehen.
141 Holmes, Schwarzwaldschule102.
FrauenstudiumundRechtsakademie fürFrauen 167
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik