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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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2. WiemaneineDissertationverfasst EinenEinblick inThemen-undBetreuerfindung sowie (technische)Ausarbei- tung einer staatswissenschaftlichenDissertation bis zu ihrer Einreichung und Defensio geben die Erinnerungen vonHugo Huppert: Huppert (1902–1982) entstammteeinerBeamtenfamilieausBielitzinSchlesien(heuteBielsko-Białain Polen),wandte sich frühdemMarxismus zuundwar1920 zumStudiumnach Wien gezogen. Da er politisch interessiert war, inskribierte er alsbald für das Doktoratsstudium der Staatswissenschaften: »[J]etzt möcht ich endlich ›Das Kapital‹ lesen, die conditio humana der Bourgeoisgesellschaft begreifen, die VerwaltungdesBürgerglücksaufdecken,densozialenStellungskriegerkennen, dessen Bagatellisierung unsere größte Sünde war«116. Huppert belegte unter anderem die Vorlesungen von Adler, Grünberg, Mayer, Spann, Wieser und WlassakundwarnachweislichvondermangelndensoziologischenAusbildung, die an der Universität nur in der geisteswissenschaftlichen Richtung Othmar Spannsgelehrtwurde,enttäuscht.SeineWahlfürdieDissertationsbetreuungfiel schließlich aufHansKelsen: »Ichwählte einpackendesThema, dessenumfas- sendedialektischeGrößenordnungmirdasAusbreitenmarxistischerGedanken soziologischer, rechtstheoretischerundstaatspolitischerNaturzuermöglichen schien […]DieDissertation sollte heißen: ›DasMajoritätsprinzip inderKlas- sengesellschaft‹ und sollte denWiderspruch zwischenbürgerlicher und sozia- listischer Demokratie anhand einer detaillierten Geschichtsstudie begrifflich entwickeln.Kelsen […] akzeptierte diesemeine Stoffwahl, nicht ohne anfäng- licheSkepsis.Erwarweit entferntvonmarxistischemIdeengut […]Erwusste, dass ichseineAnsichtennicht teilte[…]dochseineGefühle fürmichalsseinen kritisch-abspenstigenSchülerwaren freundschaftlich«117. KelsenwurdeHupp- ertsDoktorvater,nahmihninseinenMittwochskreis,die»Jausenstunde«inder Privatwohnung inderWickenburggasse, aufundregte zumBeispiel dieÄnde- rungdesArbeitstitels inDasMajoritätsprinzipunddieKlassengesellschaftan118. DerUntertitel lautete:EinBeitrag zur soziologischenund juristischenBegriffs- bildungüber sozialeDifferenzierungs-und Integrationsprozesse. HugoHuppert verbrachte denWinter 1923/24mit derNiederschrift seiner Gedanken: »In gabelsbergischer Kurzschrift warf ich Kapitel umKapitel der Doktorschrift aufs Papier, saß tagsüber […] imgroßenLesesaal derUniversi- tätsbibliothek […]NachderMahlzeit inderD’Orsay-Mensazog ichmich […] gern wieder ins Staatswissenschaftliche Seminar Professor Grünbergs zu- 116 Huppert,DieangelehnteTür 392. 117 Huppert,DieangelehnteTür 445. 118 Vgl. UAW, Staatswissenschaftliche Dissertationen, L 437; Promotionsprotokoll für das DoktoratderStaatswissenschaften,Bd.1, Sign.M37.1,Nr. 209. StaatswissenschaftlicheDissertationen 219
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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