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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Gina Pokart: DieVerfassungen Polens in ihremZusammenhangmit seiner sozialen Schichtung (1927) ElisabethSchilder: SozialistischeSteuerpolitik (1930) Friedrich Setz: Die soziologische und sozialökonomischeKritik des Klassenbegriffs (1929) Anhand jener Doktorarbeitenwird deutlich, dass Soziologie (und Politikwis- senschaft) inden1920er Jahren inÖsterreichnochkeineakademischenDiszi- plinenwaren.DiesbestätigennichtnurdiedenMethodenteilderDissertationen betreffenden Unzulänglichkeiten, sondern eben auch der hohe Anteil an Schrifttum,das sich zudieserZeitmit erkenntnistheoretischenundmethodo- logischen Fragen befasste, sowie die (letztlich erfolglosen) Bemühungen um Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Univer- sität,wie sie zumBeispiel dieWienerSoziologischeGesellschaft verfolgte124. Schließlich zeigen sich an denDissertationen die weltanschaulichen Zerk- lüftungen jener Jahre, denn die methodologischen Kontroversen waren un- trennbarmitdenparteipolitischenAuseinandersetzungenderErstenRepublik verbunden. Nach Klaus Lichtblau konnte »[d]ie Wahl eines entsprechenden methodologischenAnsatzes[…]somitalsAusdruckeines›Klassenkampfes‹ im BereichderTheoriegedeutetwerden,derideologiekritischzuentlarvenwar«125. Derliberalbismarxistischgeprägten,empirischarbeitendenundhauptsächlich extramuralangesiedeltenSozialwissenschaftstanddieuniversitärsystemisierte, historisch-geisteswissenschaftlich arbeitende Gesellschaftslehre eines Othmar Spannund dessenKollegen- undAnhängerschaft gegenüber. Undwas an der kleinenWeltderUniversität seineProbehielt, vollzogsichwenigspäteraufder großenBühnederösterreichischenPolitikdesAustrofaschismusund letztlich Nationalsozialismus126: GingennachderNovellierungvon1926die Studieren- den-undAbsolventenzahlenohnehinzurück,sankgegenEndeder1920erJahre auch die Zahl der sozialwissenschaftlich orientierten Dissertationen. Für die Staatswissenschaften der 1930er Jahre kann daher ohneÜbertreibung gesagt werden, dass hauptsächlich Abhandlungen verfasst wurden, die sich gesell- schaftswissenschaftlichmit völkischen, ab 1934 christlich-vaterländischen, ab 1938 schließlichnationalsozialistischenThemenbefassten, zumBeispiel: Peter Berns: Die Gesellschafts- undWirtschaftsauffassung beiMartin Luther (1934) EberhardBirnbacher: Persönlichkeit undGemeinschaft bei Fichte undHegel (1937) 124 Zur ähnlich verlaufenden Entwicklung in Deutschland siehe Stölting, Akademische Soziologie. 125 Lichtblau,Krise alsDauerzustand?19. 126 DazunäherEhs,Vertreibung indrei Schritten, sowieEhs, ExtramuralesExil. StaatswissenschaftlicheDissertationen 223
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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