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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Obwohl ElisabethBerger die Eigenständigkeit der Staatswissenschaften be- reits mit 1899 ansetzt165, als Edmund Bernatzik und Eugen von Philippovich begannen,dieReiheWienerStaatswissenschaftlicheStudienherauszugeben, ist dochfestzuhalten,dassdieseReihehauptsächlichalsPublikationsorganfürdie akademischenAbschlussarbeiten jenes Fakultätsnachwuchses ins Leben geru- fenwurde,derinkeineranderenösterreichischenSchriftenreiheveröffentlichen konnte,weilersichnichtmitimengerenSinnrechtswissenschaftlichen,sondern mit nationalökonomischen iSv sozialwissenschaftlichen Fragen befasste166. Methodologie und die Entwicklung der Staatswissenschaft als (sozialwissen- schaftliche) Disziplin wurden dabei aber kaum reflektiert. Dies konnten die jungenAbsolvent/inn/enwohl auch gar nicht leisten, weil sie an der Fakultät methodologisch keineswegs ausgebildet wordenwaren. Denn dort fanden die außeruniversitärsowievorallemimAuslandschonlängstgeführtenDebatten167 über Inhalt undMethodik einer Staats- als Gesellschaftswissenschaft nur ein- geschränktWiderhall.WährendesindenUSAnebendenLawSchools,dieeinzig zurAusbildungangehenderRechtspraktiker/inneneingesetzt sind, schonEnde des19. Jahrhunderts selbständigeSocial andPolitical ScienceDepartments für wissenschaftliche Forschung gab168, waren die österreichischen Staatswissen- schaften auchmit der Einführung des Doktoratsstudiums an der Juridischen Fakultät verbliebenundnichtnurdeshalb in ihrereigenständigenEntwicklung (insbesondere in derAusrichtung als empiriegeleitete Sozialwissenschaft) be- schränkt. DieseGeschichte entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wennmanbedenkt, dass es zur Jahrhundertwende gerade die staatswissenschaftlichen Fächer des Rechtsstudiums gewesen waren, die die Curricula der frühen US-amerikani- schenPoliticalScienceDepartmentsgeprägthatten.DenndieAllgemeineStaats (rechts)lehre Deutschlands undÖsterreichs war stets politikwissenschaftlich 165 Vgl.Berger, Staatswissenschaften211. 166 Beispielsweise finden sich hier die akademischen Abschlussarbeiten von E. Adler, Handwerk; Nawiasky, Frauen;Mises, Gutsherrlich-bäuerlicheVerhältnisse inGalizien; M.Adler,Gewerbepolitik. 167 Diewichtigste deutschsprachige sozialwissenschaftliche Zeitschrift war das von 1904 bis 1933u.a.vonEdgar Jaff¦,EmilLederer,WernerSombartundMaxWeberherausgegebene HeidelbergerArchiv für SozialwissenschaftundSozialpolitik (NachfolgerindesArchiv für sozialeGesetzgebungundStatistik[1888–1903]undderMonatsschriftfürSoziologie).Dort publizierten auch zahlreiche Absolventen der Wiener Fakultät (Kelsen, Menzel, Mises, Schumpeter, Zeisl etc.) und reflektierten in ihrenBeiträgenMethodenund Inhalte einer »DisziplinSoziologie«. 168 Als ältestes Institut gilt die 1880 gegründete School of Political Science an der Columbia University. 1903 folgte die Gründung der American Political Science Association; das österreichischePendant,dieÖGPW,besteht erst seit 1970. DasStudiumderStaatswissenschaften236
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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