Seite - 247 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Bild der Seite - 247 -
Text der Seite - 247 -
›bread and cheese‹ country, typically Balkan, andhe sees its cultural develop-
mentdwindle to avery lowpoint […]TheUniversityhasbeenhaving student
troublesandhasbeenshutforsometime[…]Thedifficultieswerenationalistic
andanti-Jewishincharacter[…]IseenofeasibleprogramfortheFoundationat
Vienna.«201
TrotzdiesesabschlägigenBerichtswarbendieösterreichischenVertreterder
Rockefeller Foundationweiterhin fürdas Institute of Social Sciences, vor allem
deshalb, weil sich Österreichs Wissenschaftssystem selbst nicht länger auf-
rechterhalten können würde. Insbesondere die Machtergreifung Hitlers in
Deutschland vergrößerte wieder die Chancen für eine Rockefeller-Förderung
einesösterreichischen Instituts, denn–soVanSickle ineinemSchreibennach
NewYork– jenes Institut inWiensei»themostconstructive thingwecoulddo
downthere«unddeshalb»wemaybe justified inbacking frankly theminority
liberal element«202.
Schließlichnoch imHerbst 1933konnteVanSickledetaillierteVerhandlun-
gen mit den Wienern aufnehmen; allerdings waren nunmehr – nach dem
WeggangHayeksnachLondonundderbevorstehendenAbwesenheitMises’,der
ab1934 inGenfunterrichtenwürde–anderePersonenfederführendgeworden,
nämlichAlfredVerdroßundFerdinandDegenfeld-Schonburg.Über Letzteren
hattesichVanSicklenochwenigeJahrezuvorsehrabfälliggeäußert,dochhatten
eben in den frühen 1930er Jahren die herausragendsten und innovativsten
Wissenschafter/innenWienmeist schon verlassen. Auch das Forschungspro-
gramm änderte sich mit den neuen Komiteemitgliedern und umfasste nun
»Constitutional and International Law, Modern Political and Social History,
EconomicPolicy«,was jedoch inhaltlichnichtmehr vielmitder imMemoran-
dumontheSituationofResearchinSocialSciencesinAustriagefordertensozial-
und politikwissenschaftlichen Ausrichtung gemein hatte. Tatsächlichwar das
neueProgrammdesKomitees (demnebenVerdroß,Degenfeld-Schonburgund
PrˇibramauchderkatholischePriesterundEthnologeWilhelmKopperssowieals
Sekretär der Historiker Friedrich Engel-J nosi, ein Schüler Prˇibrams, ange-
hörten)wenigoriginelloderimpulsgebend–underinnertdamitfrappantandie
Einführung des staatswissenschaftlichen Doktoratsstudiums rund 15Jahre
zuvor.Wieder einmalwar zukunftsweisende sozial- undpolitikwissenschaftli-
cheForschungerfolgreichverhindertworden.
DennochstelltedieRockefellerFoundation imWinter1933/34Förderung in
Aussicht,nichtzuletzt,umdie früherenRockefellerFellows,die (noch) inWien
201 SelskarM.GunnanMaxMason,10.2.1932(zit.n.Fleck,TransatlantischeBereicherungen
171).
202 JohnVanSickle anEdmundE.Day, 10.10. 1933 (zit.n. Fleck, TransatlantischeBereiche-
rungen172 f).
ErstesAddendum:DieAnfängederPolitikwissenschaft 247
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik