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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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undGelegenheit für seinewissenschaftlicheArbeit207, die unter anderem eine maßgebende Methodenlehre der Sozialwissenschaften (1936) hervorbrachte. DasEndederHabsburgerMonarchiehattedasBerufungskarussellzwischenden Universitäten zum Stillstand gebracht,208 sodass auchWiener Nachwuchswis- senschafter/innen nicht mehr, wie zuvor üblich, einige Zeit an anderen Uni- versitätsstandorten verbrachten, bevor sie als Professoren an die AlmaMater Rudolphinazurückkehrten. Inden1920erngabesdaher zuweniguniversitäre Stellen,umsämtlichejungeWissenschafter/innenzubeschäftigenundJüdinnen undJudenkamendafüraufgrunddesHochschulantisemitismusschongarnicht inFrage209, weswegenFelixKaufmannseinen sozialwissenschaftlichen Interes- senundTalenten erst imExil, anderNewSchool for Social Research210 inNew Yorkberuflichnachgehenkonnte,woersein inWienverfasstesBucherweiterte und1944 inderenglischenFassungalsMethodologyof theSocial Sciencesver- öffentlichte. Ähnlich erging es Alfred Schütz (JDr. 1921), der heute als Be- gründerder phänomenologischenSoziologie gilt.Während seinerWienerZeit musste er selbst auf dieHabilitationverzichten, verdiente seinenLebensunter- halt als SekretärdesWienerBankvereinsundRechtsberater fürdiePrivatbank Reitler&CoundkonnteebensoerstindenUSAsozialwissenschaftlicharbeiten. DassKaufmann, Schütz undunzählige andere unter diesenWiener univer- sitärenUmständenüberhauptwissenschaftlichtätigseinundfürdenFortschritt der Sozial- und letztlich Politikwissenschaft wegweisende Werke erarbeiten konnten, lässt sichmit Fleck als »Paradox des Erfolgs unter widrigen Bedin- gungen«211 beschreiben. Denn dieUniversität selbst hatte die KarrierenKauf- manns,MorgensternsoderVoegelinskaumaufdenWeggebracht; Sozial-und Politikwissenschafter/in wurdeman nicht an der Universität, sondern in der aktivenTeilnahmeamregenVereinsleben, in denPrivatseminarenund insbe- sondere, wennman das Glück hatte, von der Rockefeller Foundation für ein postgradualesAuslandsstudiumausgewähltwordenzusein: »Ichwareinerder erstenStipendiatenund, soweit ichweiß, der erste ausÖsterreich.DasStipen- diumwurdedrei Jahregewährt.Daserste Jahrstudierte ich inNewYorkander Columbia University. Das erste Semester des zweiten Jahres ging ich nach Harvardunddas folgendeSemesternachWisconsin.Dasdritte Jahrverbrachte 207 UmdieserDoppelbelastungHerrzuwerden,nahmKaufmanndiewissenschaftlicheArbeit regelmäßigumvierUhr frühaufunddiktiertedieSchriftenseinerFrau(vgl.Zilian,Felix Kaufmann10); zuKaufmannsAußenseiterstellungsieheauchEhs, ExtramuralesExil. 208 EineAusnahmebildetedieDeutscheUniversitätPrag,wohinbes.die JuristendesKelsen- Kreises durch Kelsens Freund- und Kollegenschaft mit Frantisˇek Weyr Verbindungen hielten. 209 KaufmannsNamestandschon frühauf antisemitischenProskriptionslisten. 210 ZurNewSchool siehez.B.Krohn,Wissenschaft imExil. 211 Fleck,AlfredSchütz 98. DasStudiumderStaatswissenschaften250
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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