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Der Grazer Romanist Gustav Hanausek äußerte sich zum gleichen Thema
1925:»SeitdemInkrafttretendesDeutschenBürgerlichenGesetzbuchesgibtes
natürlich keine romanistische Dogmatikmehr.Wir haben auch keine roma-
nistischenDogmatiker,wie es, umnureinigeNamenzunennen, [Adolphvon]
Vangerow,[Bernhard]Windscheid,[CarlLudwig]Arndts,[Heinrich]Dernburg,
Adolf Exner, FranzHofmannwaren.Die romanistische Forschungwurde eine
rechtshistorische.GeschichtedesklassischenRechts,Geschichtespätrömischer
Rechtsinstitute,Geschichte desZivilprozessrechts, Interpolationenkritik,Ägypto-
logie, insbesondere Papyrologie, Darstellung des assyrisch-babylonischen
Rechts,Darstellungdes griechischenRechts sindAufgabendermodernenRo-
manistik.«4Sowundertesnicht,dass inderZeitschriftderSavigny-Stiftung für
RechtsgeschichtealsHauptzweigederRomanistikdieInterpolationenforschung
unddiePapyruskundegenanntwurden.5BesondersdiePapyruskundesollte in
WieneinigegroßeVertreter finden.
2. DieProfessorenundDozenten1918–1938
a) MorizWlassak6
MorizWlassakkamam20.August1854inBrünn[Brno/CZ]zurWelt. Inseinen
Erinnerungen, publiziert im Brünner Tagesboten 1925, hob Wlassak seine
deutsche Herkunft hervor: »In meinem Elternhause wurde nur Deutsch ge-
sprochen. Die Mutter stammte aus Niederösterreich, der Vater – von Beruf
Apotheker–ausBöhmen,dochwarnachWienindieLehregekommen,hatte in
der Kaiserstadt geheiratet und brachte nach Brünn nur so viel Kenntnis des
TschechischenmitalszumVerkehrmitdenLandleutennötigwar«7. ImNachruf
aufMoritzWlassakaus1939betontWengerdessendeutscheHerkunft, indemer
ihn als »hochgeschätzt ob seines hervorragendenAnsehens in der internatio-
nalenwissenschaftlichenWeltalshochverehrtobseinesuntadeligendeutschen
Charakters«8beschreibt.
Bereits von Kindheit an warWlassak mit der Familie Molisch, deren be-
kanntestesMitgliedwohlderVizepräsidentderAkademiederWissenschaftenin
WienHansMolischwar, befreundet. InBrünnbesuchteWlassakdasdeutsche
4 KommissionsberichtGustavHanauseks,UAGraz, Jur.Dek. 1925/26, 464ex1925.
5 ZRGRA1928 (XLVIII), 800 f.
6 So nicht anders vermerkt, diente der Nachruf Wengers im Almanach der Akademie der
Wissenschaften260–285alsQuelle fürdie folgendeBiografie.
7 Wlassak, ErinnerungeneinesBrünners25.
8 Wenger,NachrufaufM.Wlassak260. Die
rechtshistorischenFächer264
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik