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›Jud‹–fürdenwardaswesentlich.Ichkannmirnichtvorstellen,daßSchönbauer
soprimitiv selbst Sachengeleitethat.«107
AlsWenger1927zurückandieUniversitätMünchenging,mussteinWienein
Ordinariat für römisches Recht nachbesetzt werden.Der dafür erstellte Beru-
fungsvorschlag nannte Fritz Schulz, einen Berliner Professor, an erster Stelle,
und an zweiter Stelle Mariano San Nicolý, Artur Steinwenter und Ernst
Schönbauer.Aus finanziellenGründenscheitertendieVerhandlungenmitFritz
Schulz, dieFakultät und insbesondereLeopoldWengerwünschtensichSchön-
bauer, dermitMärz 1929 seinOrdinariat antrat.108Brassloff, der nachwie vor
Extraordinarius inWienwar,wurdebeiderNachbesetzungderLehrkanzelgar
nicht in Betracht gezogen. Schönbauer übernahm in den folgenden Jahren
zahlreiche universitätspolitischeÄmter: Sowar er Disziplinaranwalt und von
1939 bis 1943Dekander Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät. Zwar
warerbereits1934zumDekangewähltworden,dochscheiterteeineBestätigung
durchdasUnterrichtsministeriumanSchönbauersWeigerung,derVaterländi-
schenFrontbeizutreten.109VonseinenFakultätskollegenpflegteSchönbauermit
LudwigAdamovich sen. eine nähere Bekanntschaft – dies ergibt sich aus den
vorliegenden Archivmaterialien und den Erinnerungen Ludwig Adamovichs
jun.110. Schönbauer berichtete 1940 folgende Ereignisse: »Obwohl Adamovich
genaumeineGesinnungkannte,nahmermichimmerinSchutz,zuletztimMärz
1937,als ichProf.GrafGleispachineinerKundgebunginderUniversitätmeine
Grüsseerbotundihmmitteilen liess,dassdieHochschulenochimmerdeutsch
gesinnt sei. Damals verlangte dasMinisterium einen Bericht von demDekan
Kadecka.Adamovich intervenierte sofort und erwirkte, dass als einzigeMass-
nahmeeinVerbotderHörsaalbenützung fürdievonmirgeleitete ›Gesellschaft
fürRechts-undStaatswissenschaften‹herausgegebenwurde.«111AlsAdamovich
sen. nach dem »Anschluß« von seinem Lehrstuhl vertrieben wurde, war es
wiederumSchönbauerder sichbemühte,AdamovichanderUniversität zube-
halten.112
Schönbauerbegann imWintersemester1919/20mit seinerLehrtätigkeit,die
er an derUniversitätWien bis 1945 ausübte. Sein Lehrveranstaltungsangebot
war sehr vielfältig: Erdeckte verschiedeneBereichedes römischenRechtsund
dessenGeschichteab–vomErbrechtüberdasFamilienrechtbiszumZivil-und
Strafprozessrecht undder römischenRechts- undWirtschaftsgeschichte – so-
107 InterviewmitFriedrichBrassloffdurchgeführtvonKonstantinKaiser1984, [http://access.
cjh.org/429549–abgerufen18.12. 2013]S. 8.
108 Kalwoda, Ernst Schönbauer290.
109 BeilagezuDek.Zl. 716ex1940vom6.8.1940,UAW,JPA3(LudwigAdamovich), fol. 021.
110 InterviewmitLudwigAdamovich jun. vom3.11. 2009.
111 BeilagezuDek.Zl. 716ex1940vom6.8.1940,UAW,JPA3(LudwigAdamovich), fol. 021.
112 InterviewmitLudwigAdamovich jun. vom3.11. 2009.
RömischesRecht 279
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik