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wohl alsVorlesungenals auchals (Pflicht)Übungen.Danebenbot erVorlesun-
gen zumdeutschenbürgerlichenRecht, teilweisemit ausdrücklichemHinweis
»für reichsdeutscheHörer«, an.Weitere Schwerpunkte in der Lehre, die auch
seinenForschungsinteressenentsprachen,warendiePapyrusforschungunddas
Agrarrecht. Er veranstaltete Vorlesungen zur »Geschichte des römischen
Agrarrechts als Argrarprobleme der Gegenwart« und Seminare für Papyrus-
forschung, die er zu Beginn nochmit Jörs gemeinsam hielt. Nach dem »An-
schluß«lehrteSchönbauer–bedingtdurchdieÄnderungenimStudienplan113–
verstärkt dogmatische Fächer, 1940 konnte er die Errichtung des Instituts für
Bauern-,Wirtschafts-undArbeitsrechtdurchsetzen.114
EinerderForschungsschwerpunkteSchönbauerswardasBergrechtzwischen
AntikeundMittelalter.BereitswährenddesStudiumshatteerrechtshistorische
Studien zum diesem Thema betrieben—1912 und 1913 gewann er den Sa-
mitsch-Preis für Bergrecht mit seinen Schriften zur lex Metalli Vipascensis.
AuchbeimerstenDeutschenRechtshistorikertag1928behandelteerdasantike
Bergrecht und »kamzumErgebnis, daß zwar einewirtschaftlicheKontinuität
auf dem Gebiet des Bergwesens einwandfrei nachweisbar sei, daßman aber
darausnicht eineAbhängigkeit desmittelalterlichenBergrechts vondenberg-
rechtlichenBildungenderAntike folgerndürfe.«115Eine umfassendeAbhand-
lung Schönbauers zumantikenBergrecht erschien 1929 unter demTitel »Bei-
trägezurGeschichtedesBergbaurechts«.WeitereForschungsgebietestelltendas
Bodenrecht – insbesondere die »urkundlicheDokumentationdes antikenLie-
genschaftsverkehrs«116 – und die »öffentlich-rechtlichen Aspekte des papyro-
logischenQuellenbereiches«dar,117dieseUntersuchungen resultierten in einer
KritikLudwigMitteis’undführtenSchönbauerweiterzurBeschäftigungmitder
Munizipalverfassung.118 Ein weiteres Forschungsthema war das antike Pro-
zessrecht:SchönbauersArbeitenstandeninsoferninder»starkenTraditionder
romanistischenLehrstühleWiens«.119
1933wurdeSchönbauerzumkorrespondierendenMitgliedderAkademieder
Wissenschaften inWiengewählt.DerWahlvorschlagwurdevonMorizWlassak
eingebrachtundvonAdolfWilhelmunterstützt.120 ImNovember1938wurdeer
113 Meissel,Wedrac,RömischesRecht47–49.
114 Kalwoda, Ernst Schönbauer 302. In diesem Institut wurde Ludwig Adamovich sen.
beschäftigt.Vgl. Staudigl-Ciechowicz,VonAdamovichbisPfeifer225.
115 Kunkel, Bericht801; vgl. auchFeine, Bericht673.
116 Mayer-Maly, Ernst Schönbauer zumGedächtnis 627.
117 Ebd.628.
118 Sobspw.Schönbauer,Municipia.
119 Mayer-Maly, Ernst Schönbauer zumGedächtnis 629.
120 Soscheinen lediglichdiebeidenalsVorschlagende indenWahlaktenauf.AÖAW,Wahlen
1919–1936, 1933. Kalwoda führt alsAntragsteller zusätzlichWenzelGleispach,Heinrich
Die
rechtshistorischenFächer280
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik