Seite - 281 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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zum ordentlichen Mitglied vorgeschlagen. Der Antrag wurde abermals von
WlassakgestelltundvonLeopoldWengerundAdolfWilhelmmitunterzeichnet,
beim ersten Anlauf scheiterte er – erst nach einemweiteren Vorschlag 1939
wurdeSchönbauer zumordentlichenMitgliedgewählt.121
SchönbauerspolitischeTätigkeitbekaminderErstenRepublikAufschwung.
Erwurdebereits1919indieKonstituierendeNationalversammlungalsVertreter
der Großdeutschen Partei gewählt.122 ImOktober 1920 kandidierte er auf der
Listeder»DeutschösterreichischenBauernpartei«, beidenWahlen imOktober
1923 und imApril 1927 trat Schönbauer für den »Landbund« an und vertrat
diesen bis Oktober 1930 im Nationalrat.123 Der Landbund verstand sich als
Bauernpartei – durch sein Engagement in dieser Partei hob Schönbauer sein
Selbstverständnis als Bauer hervor – und betonte in seinemParteiprogramm
sowohl die christlicheGrundlage als auchdenAntisemitismus, der Landbund
sahdie»jüdischeRasse[…]alsvolkszersetzendesElement«.124Schönbauerwar
unter anderem als Vertreter der Deutschnationalen bei den Friedensverhand-
lungeninSt.Germainzugegen,seitNovember1922MitglieddesStaatsratesund
seit 1927Mitglied der Strafrechtskommission, die ein gemeinsames deutsch-
österreichischesStrafgesetzbuchausarbeitensollte.1251930zogersichzunächst
aus dempolitischen Leben zurück,meldete sich dannnachdemStaatsstreich
1933mit einemAufsatz inder reichsdeutschenZeitschrift »Verwaltungsarchiv.
Zeitschrift für Verwaltungsrecht und Verwaltungsgerichtsbarkeit« über die
Ausschaltung des Nationalrates zuWort.126Unklar ist, ab welchemZeitpunkt
sich Schönbauer für dieNationalsozialisten betätigte. 1940wurde ermitWir-
kung von1938 in dieNSDAPaufgenommen.127Unbestrittenwar Schönbauers
SympathiemitdemNationalsozialismusbereitsvor1938:ErwarseitMärz1934
Obmann der nationalsozialistisch orientierten Gesellschaft für Rechts- und
Staatswissenschaft.WeitersgehörteerzudenVortragendenimantisemitischen
Srbik undHans Voltelini an: vgl. Kalwoda, Ernst Schönbauer 309; so auch im hand-
schriftlichenVorschlagaus1933,AÖAW,PersonalaktErnstSchönbauer.
121 AÖAW,Wahlen1937–1944, 1939.DerWahlvorschlagwurde1939 zunächst vonWlassak,
Pintner,Radermacher undWengerunterzeichnet. ZweiTagenachdemTodWlassaksbe-
tonteWengerdieWichtigkeitdiesesAntragsundfügtenochalsUnterstützerBittner,Srbik,
Kralik,Wilhelm,Hirsch,Mewaldt,EggerundMeisterhinzu.
122 So die Information der Parlamentshomepage [http://www.parlament.gv.at/WWER/PAD_
01757/ – abgerufen 18.12. 2013]. Schönbauer hat auf der Liste der Deutschnationalen
kandidiert, vgl.Kalwoda, ErnstSchönbauer286.
123 NähereszuSchönbauerspolitischerTätigkeit vgl.Kalwoda, Ernst Schönbauer286f.Be-
achteaberdieAngabenaufderParlamentshomepage[http://www.parlament.gv.at/WWER/
PAD_01757/index.shtml – abgerufen 18.12. 2013], wonach Schönbauer zwischen No-
vember1920undJänner1924keinemparlamentarischenKlubangehörte.
124 Berchtold,ÖsterreichischeParteiprogramme483.
125 Kalwoda, Ernst Schönbauer286; zurStrafrechtsreformsiehe460–462.
126 Schönbauer,AusschaltungdesNationalrates.
127 Kalwoda, Ernst Schönbauer293; Schartner, Staatsrechtler 261.
RömischesRecht 281
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik