Seite - 284 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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tionenmachtenBeiträgezumgeltendenRechtaus.Brassloffverfasstenichtnur
einen »Leitfanden der österreichischen Verfassungskunde für die Abiturien-
tenkurse der österreichischenHandelsakademien«, sondern beschäftigte sich
auchverstärktmitdemösterreichischenArmenrecht. Inseinenumfangreichen
PublikationenfindensichaucheinigephilologischeundepigraphischeStudien.
In späteren Jahrenwidmete er sich auchThemen der jüdischenReligionund
Kultur:DieseSchriften, indenener aufdenEinflussdes römischenRechts auf
dastalmudischeRechthinwies,kamenaufder»jüdischenSeite«nichtbesonders
gut an.141
Brassloff war zwarmosaischenGlaubens, aber »absolut nicht aktiv jüdisch
[…],under [kam]auseinemkaumpraktizierendenHaus«.1421906heirateteer
OttilieWeil,1431907kamihrSohnFriedrichLotharzurWelt.144Brassloffbetätigte
sichauch (sozial)politisch. SeinSohnbeschrieb ihn1984: »Politischbeganner
alssozialbewußterLiberalerunderst inderspäterenZeit, inden30erJahren, ist
erMitgliedderSozialdemokratischenPartei geworden.«145Brassloff engagierte
sich im sozialen (Bildungs)Bereich: Er war einer der ersten Lektoren in der
Volksbildung, war ehrenamtlich bei der Rechtshilfestelle der GemeindeWien
tätigundäußertesichauchpublizistischzuaktuellengesellschaftlichenFragen–
sobeispielsweise zudenEntwürfeneinesEhegesetzes.146
Nach dem »Anschluß« wurde Brassloff stufenweise entrechtet: Zunächst
bekam er als »Nichtarier« ein Lehrverbot, es folgte eine Beurlaubung und
schließlich eine Versetzung in den zeitlichen Ruhestand. Nach 1938 musste
Brassloff, dessen finanzielle Lage immer schlechter wurde, zwei Mal seine
Wohnungwechseln. ImAugust 1942wurdenStephanBrassloff und seineFrau
OttilienachTheresienstadtdeportiertunddortumgebracht.147
g) FranzLeifer148
FranzLeifer, auseiner»altösterreichischenBeamtenfamilie«149stammend,kam
am14.November 1883 inWien zurWelt.NachdemBesuchdes Staatsgymna-
141 InterviewmitFriedrichBrassloffdurchgeführtvonKonstantinKaiser1984, [http://access.
cjh.org/429549–abgerufen18.12. 2013]S. 6 f.
142 Ebd.
143 GenTeam [http://www.genteam.at – abgerufen 18.12. 2013], Datenbank: Einträge aus
jüdischenMatriken,Nr.292406.
144 Ebd.Nr. 93014.
145 InterviewmitFriedrichBrassloffdurchgeführtvonKonstantinKaiser1984, [http://access.
cjh.org/429549–abgerufen18.12. 2013]S. 7.
146 Brassloff,NamensrechtderEhegatten.
147 OttilieBrassloff starbam21.9. 1942; StephanBrassloff starbam28.2. 1943.
148 Meissel, Wedrac, Römisches Recht 66–68; Kreller, Leifer; Pakes, Geschichte des
Lehrkörpers131 f. Die
rechtshistorischenFächer284
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik