Seite - 296 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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tionen gegeben hatte, sollte es bis 1930 dauern, bis mit jener von Theophil
Melicherdienächsteundabermals für langeZeit einzige erfolgte.
1920starbAdler;offenbaraus finanziellenGründenwurdeseineLehrkanzel
nichtmehr nachbesetzt, sondern erst 1924Hugelmann zum ao. Professor ad
personamernannt;1932rückteerzumo.Professorauf,wurdejedochaufgrund
seiner nationalsozialistischenGesinnung1934vorzeitig indenRuhestandver-
setzt.ZudiesemZeitpunktwarauchSchwindschongestorbenundVolteliniaus
AltersgründenindenRuhestandgetreten,sodassdasFachzumindest fürkurze
ZeitganzohneOrdinariatwar;erst1935wurdemitHeinrichMitteiseineneue,
bedeutende Forscherpersönlichkeit nach Wien berufen, die gemeinsam mit
Goldmann und den übrigen Dozenten das Fach bis 1938 betreute. Der »An-
schluß«brachte fürMitteisaufgrundseinerpolitischenHaltung, fürGoldmann
aufgrund seiner jüdischenHerkunft das Ende ihrer Lehrtätigkeit inWien; für
die Entwicklung des Faches an derWienerUniversität stellte somit 1938 eine
tiefeZäsurdar.
b) Ernst (von)Schwind
Ernst (bis 1919: Freiherr von) Schwind209 entstammte einer alten österreichi-
schenBeamtenfamilie.ParallelzuseinemStudiumderRechtswissenschaftenan
der Universität Wien war er auch außerordentlicher Hörer am Institut für
österreichischeGeschichtsforschung210undhabilitierte sich1891beiSiegelmit
einerArbeitzurEntstehungsgeschichtederfreienErbleihen.211DieArbeitwurde
zwar als wenig originell kritisiert,212 doch gelang es Schwind, auf dieser
Grundlage 1894 eineBerufung als Extraordinariusnach Innsbruck, 1897nach
Graz zu erhalten. Im folgenden Jahr, 1898, wurde er zumOrdinarius in Graz
ernannt.Fast zur selbenZeit tratSiegel, nachdemermehrals 30 Jahre inWien
gelehrt hatte, in den Ruhestand, und die Wiener Rechts- und Staatswissen-
schaftliche Fakultät erstellte imDezember 1898 einenDreiervorschlag, wobei
der berühmteMünchnerRechtshistorikerKarl v. Amira andie erste Stelle ge-
reiht wurde. DasMinisterium setzte sich jedoch über diese Liste hinweg und
nahm von sich aus Berufungsverhandlungen mit Schwind auf, welcher am
7.April 1899zumOrdinarius inWienernanntwurde.213
209 23.3.1865–14.7.1932.Vgl.zumFolgendenschon:Olechowski,Rechtsphilosophiegegen
Rechtsgeschichte, bes. 425–429,mwN.EinbiographischerÜberblickauchbei Schwind,
ErnstFreiherr vonSchwind;Voltelini, Schwind.
210 Vgl.zudiesem1854gegründetenForschungsinstitut:Lhotsky, Institutfürösterreichische
Geschichtsforschung.
211 Schwind, FreieErbleihen.
212 Hübner,RezensionzuErnst v. Schwind.
213 Lentze,GermanistischeFächer92. Die
rechtshistorischenFächer296
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik