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darin gesehen, dass er darin die Bedeutung Wiens »für die Geschichte des
Vordringens des Deutschtums [imMittelalter] nach dem Südosten« hervor-
hob.234 In geringeremMaße beschäftigte sich Voltelini mit der neuzeitlichen
Rechtsgeschichte; hervorzuheben ist aber seine Monographie zum Tiroler
Aufstand1809.235
1903 wurde Voltelini korrespondierendes, 1909 wirkliches Mitglied der
AkademiederWissenschaftenzuWien.236AlssolchesgehörteerderWeistümer-
undUrbarkommission,welche einschlägigeRechtsquellen edierte,237 sowieder
Kommission für die Savigny-Stiftung238 an. In den Akademiesitzungen der
Zwischenkriegszeit berichtete er regelmäßig über seine eigenen Arbeiten an
einerEditiondesKaiserlichenLand-undLehnsrechtsbuchdes13.Jh.(demsog.
Schwabenspiegel), die er für dieMonumentaGermaniaeHistorica vorbereite-
te.239Vielleicht waren es die negativen Erfahrungen, die seinKollege Schwind
hier gemacht hatte, die Voltelini zu besonderer Vorsicht anhielten; jedenfalls
erschien die Edition des Schwabenspiegels zu seinen Lebzeiten nichtmehr.240
HansVoltelinihegteein»verständnisvolles Interesse fürMusik«undwarein
»vielgewanderter Kenner der Alpenwelt«; sein Biograph Redlich hielt es für
»erstaunlich,wiederkleine,zartgebauteMann,dernochdazustarkkurzsichtig
gewesen, die schwierigsten Bergtouren bewältigt hat.«241 Voltelini starb am
25. Juni 1938 inWien.
d) SigmundAdlerundEmilGoldmann
Kürzer können die Lebensläufe der Professoren Sigmund Adler und Emil
Goldmanngehaltenwerden, zumalbeide trotz großerAnstrengungennicht zu
einemvergleichbarenAnseheninderscientificcommunity ihrerZeitgelangten
234 Klebel, ZurFrühgeschichteWiens7.
235 Voltelini,GeschichtedesTirolerAufstandes; vgl. auchders., CodexTheresianus.
236 ZuseinerNetzwerktätigkeit inderAkademiederWissenschaftenzuWiensieheunten699.
237 Allerdings keine imZeitraum1918–38:Der elfte,NiederösterreichbetreffendeBandder
»Österreichischen Weistümer« erschien 1913, der zwölfte Band, mit dem die Edition
oberösterreichischerWeistümerbegonnenwurde, 1939.
238 Diesewar1864zurVerwaltungeinesdamalsnamhaftenVermögenseingesetztworden,das
jedochdurchdie Inflation 1923dahinschmolz. Sie entwickelte in derZwischenkriegszeit
keinenennenswerteTätigkeit.Vgl.Ogris, Savigny-Stiftung.
239 Anzeigerderphilosophisch-historischenKlassederAkademiederWissenschafteninWien
Bd.56 (1919)33;Bd.58 (1921)6;Bd.59 (1922)29etc.
240 Erst 1954 gab AnnaHedwig Benna – »unter Benützung der Vorarbeiten vonHans von
Voltelini,AntonPfalz,ErnstKlebel,HansLentze«–dieKurzformdesLandrechtsteils des
Schwabenspiegels für dieMGHinDruck (alsMitherausgeberwurde der kurz zuvor ver-
storbeneHansPlanitzgenannt);dochwurdedieKritikschonwährendderDrucklegungso
laut, dass die gesamteAuflagenochvorVeröffentlichung»eingestampft«werdenmusste.
241 Redlich,HansvonVoltelini 334. Die
rechtshistorischenFächer300
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik