Seite - 301 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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(und auch, imGegensatz zu Schwind, Voltelini undHugelmann, nicht in die
Akademie derWissenschaften zuWien aufgenommen wurden), weshalb ihr
Wirkungsfeldbescheidenerblieb.AnderQualität ihrerArbeitenkanndiesnicht
gelegenhaben,möglicherweise aber an ihrer jüdischenHerkunft.
SigmundAdler242 kam am 26.November 1853 in Prag, als Sohn des Kauf-
mannesSalomonMarkusAdlerzurWelt; erwarder jüngereBrudervonViktor
Adler,demBegründerderSozialdemokratischenArbeiterpartei.SigmundAdler
absolvierte inWiendasSchottengymnasium, studiertedieRechts-undStaats-
wissenschaften und promovierte im Juni 1878. Es folgten die Gerichtspraxis
sowieStudienaufenthalte inStraßburgundBerlin.ZuAdlersLehrerngehörten
Lorenz von Stein,243Gustav Schmoller undHeinrich Brunner. SigmundAdler
hatte sich 1885/86 nur gegen beträchtliche innerfakultäreWiderstände habili-
tierenkönnen;auchseineErnennungzumExtraordinarius1894warnichtvon
der Fakultät, sondernvomMinisteriumausgegangen, da erdasmit der Studi-
enordnung 1893 etablierte Fach »Österreichische Reichsgeschichte« vertreten
sollte; dann aber, 1898, hatte sich die Fakultät für seine Aufwertung zumOr-
dinarius eingesetzt. SeineVerwandtschaft zuViktor Adler spielte dabei keine
Rolle, zumal er – laut Angaben der niederösterreichischen Statthalterei – zu
diesemschonseit JahrenkeinenKontaktmehrpflegte,undzwargeradewegen
dessen politischer Haltung.244 Es schien eher so, dass sich die Fakultät nur
langsam an das von Adler vertretene Forschungsgebiet – die österreichische
Verwaltungsgeschichte – gewöhnen konnte. Seine Ernennung erfolgte mit
31.Oktober1899, alsonurkurznachderSchwinds.
AlsHauptwerkAdlers ist seineHabilitationsschriftüber »DieOrganisation
der Centralverwaltung unter KaiserMaximilian I.« anzusehen.245 »Wenn auch
manche Einzelheit, wie die Rezeption niederländisch-französischen Verwal-
tungsrechtesbeidieserOrganisation,durchdieneuereForschungrichtiggestellt
worden ist, so bleibt dochAdler das Verdienst, durch Aufhellung der für die
Entwicklung der österreichischen Verwaltung grundlegenden Einrichtungen
KaiserMaximilians selber den Grund für die österreichische Verwaltungsge-
schichte gelegt zu haben.«246 Es folgten kleinere Monographien zum Erben-
wartrecht, zum ehelichen Güterrecht und zur Rechtsgeschichte des adeligen
Grundbesitzes in Österreich;247 für das »Österreichische Staatswörterbuch«
242 26.11. 1853–18.8. 1920; vgl. Adler Siegmund, in:ÖBLI (Wien 1957) 7;Voltelini, Sig-
mundAdler.
243 15. 11.1815–23.9.1890,WilhelmBrauneder,SteinLorenzvon,in:ÖBLXIII(Wien2008)
151 f.
244 DazuLentze,GermanistischeFächer88.
245 Adler, Centralverwaltung.
246 Voltelini,Adler531 f.
247 Adler,AdeligerGrundbesitz.
DeutschesRechtundÖsterreichischeReichsgeschichte 301
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik