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verfasste er denumfangreichenArtikelüber das Lehenwesen.248 In den Studi-
enjahren1902/03und1913/14wurdeAdlerzumDekander juridischenFakultät
gewählt–allerdingsmussteerdiesesAmt imHerbst1913ausgesundheitlichen
Gründenzurücklegen.IndenStudienjahren1911/12und1912/13warerSenator
imAkademischenSenat.VoltelinibeschriebAdlerals»stilleGelehrtennatur[…]
von fast peinlicherKorrektheit undgroßer Feinfühligkeit, zurückhaltend, zart
beseitet [sic], fast einwenig empfindsam.«249Adler starb am18.August 1920.
AuchEmilGoldmann250stammteauseiner jüdischenKaufmannsfamilieund
kamam2.November1872 inKarlsbadzurWelt.Erstudierte inWienundPrag
Jus undwurde 1897 inWien zum JDr. promoviert. Er hatte unter schwierigen
materiellenBedingungendie akademischeLaufbahneingeschlagen. EinReise-
stipendium ermöglichte es ihm, die damals führenden Rechtshistoriker im
Reich,HeinrichBrunnerinBerlinsowieKarlv.AmirainMünchen,zubesuchen,
vor allemder letzterehatte einenprägendenEinfluss aufGoldmannundblieb
auch zeitlebens mit ihm in Kontakt; ihm widmete Goldmann sein 1904 er-
schienenesBuch»BeiträgezurGeschichtedergermanischenFreilassungdurch
Wehrhaftmachung«.251Dabei ging es umeine spezifische, in einigen germani-
schenRechtenanzutreffendeFormderFreilassungvonunfreienPersonen,die
sie den Freien völlig gleichstellte; Goldmannverneinte jedoch dieHypothese,
dassdieseErscheinungenauf eingemeinsames, urgermanischesRechtsinstitut
zurückgeführtwerdenkönnten.252 ImAugust 1905habilitierte sichGoldmann
an der Universität Wien für Deutsches Recht undÖsterreichische Reichsge-
schichteunderhielt1912denTiteleinesao.Professors;abererst1916wurdeer
auf eine entsprechende Planstelle ernannt, seine materiellen Verhältnisse bis
dahinsindunbekannt,dürftenaberals»schwierig«einzustufengewesensein.253
»GoldmannwareinvorzüglicherLehrer,seineVorlesungenwarensehrgediegen
undvongroßerKlarheit. BerühmtwarenseineÜbungen,hierkonntemanviel
lernen.Erwardasorecht inseinemElement,wennervollGelenkigkeitüberdie
248 Adler,Lehenwesen.–ZwarhattederReichsratbereits1862einGesetzüberdieAufhebung
desLehenbandesunddieLandtage1868/69entsprechendeAusführungsgesetzebeschlos-
sen; da einHeimfall der Lehen aber erst stattfand,wennder Lehnsbesitzer und alle An-
wärter das 60. Lebensjahrüberschritten hatten, war dieMaterie zumZeitpunkt der Ab-
fassungdesArtikelsnochvongewisserAktualität.
249 Voltelini, SigmundAdler26.
250 2.11. 1872–6.6. 1942; vgl. Goldmann Emil, in:ÖBLII (Wien 1959) 24; Lentze, Gold-
mann; Lieberwirth, Goldmann. In allen dreien Artikeln wird jedoch ein falsches Ge-
burtsdatumangegeben,LentzeundLieberwirthgebendesWeiterenauchein falschesTo-
desdatuman.DaskorrekteGeburtsdatumergibtsichausUAW,JPA310;vgl.auchLeifer,
Goldmann;Olechowski,Rechtsgermanistik88–93.
251 Goldmann, Freilassung.
252 Goldmann, Freilassung68 f.
253 Vgl. den etwas kryptischen Hinweis bei Lentze, Germanistische Fächer 97, wonach
Goldmannbisdahin»finanziell ganzungesichert«gewesensei.
Die
rechtshistorischenFächer302
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik