Seite - 303 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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BänkesprangundvordemGeprüftenerschien,umjedesEinsagenunmöglichzu
machen.«254SeinForschungsinteresseumfassteaußerdenfrühmittelalterlichen
VolksrechtenundKapitularienauchnochsounterschiedlicheBereichewiedie
rechtlicheVolkskunde(insbes.AberglaubenundRecht)sowiedieEtruskologie,
worausPublikationenüberdenEidzauberritus,255überdasAlterdesrömischen
Testaments256undvieleanderehervorgingen.1932wurde ihmderTitel eineso.
Professorsverliehen.
Goldmanns»Lebenverlief still inwissenschaftlicherArbeit, bis ihndas Jahr
1938…nochausderLebensbahnwarf«berichtet Lentze, undLeifer erinnerte
sich später an die »[p]öbelhafte[n] Anflegelungen am Telephon, Drohbriefe
rassenwahnsinnig gewordenerunreifer Jungen«undeinenEinbruch indessen
Wohnung,beidemmanihm»sogardiekleineSchreibmaschine,dieerjahrelang
zuseinenwissenschaftlichenArbeitenbenutzthat«,raubte.257Am22.April1938
wurde Goldmann von den nationalsozialistischenMachthabern zunächst be-
urlaubt undwenig später in denRuhestand versetzt; da er bereits das 65. Le-
bensjahrüberschrittenhatte, erfolgtedies aufgrundder regulärendienstrecht-
lichen Vorschriften.258 1939 lud ihn die Universität Oslo zu Vorlesungen aus
germanischer Rechtsgeschichte ein, worauf Goldmann über England nach
Norwegenemigrierenwollte; derKriegsausbruch führtedazu,dass er inCam-
bridgeblieb,woer1942einemSchlaganfall erlag.
e) RobertBartsch–AlexanderGál–TheophilMelicher
Fast gleichzeitig mit Goldmann, 1905, hatte sich auch Robert Bartsch259 für
Rechtsgeschichtehabilitiert;sowiedieserhatteerseinenAuslandsaufenthaltbei
AmirainMünchenabsolviert.AllerdingszogesdenfrischgebackenenDozenten
schonbaldwieder indie Praxis, wo er ab 1906 alsMinisterialbeamter im Jus-
tizministerium,ab1917imSozialministeriumtätigwar,biser1922zumHofrat,
kurz darauf zum Senatspräsidenten des VwGH ernannt wurde und dessen
Nachfolgeinstitution,demBGH,biszuseinerPensionierung1939angehörte.260
Auf ihn istnäher imKapitel »Privatrecht«einzugehen.261
254 Lentze, EmilGoldmann77.
255 Goldmann, Eidgang.
256 Goldmann,RömischesTestament.
257 Lentze, EmilGoldmann;Leifer,Goldmann36.
258 DazuschonOlechowski,Rechtsgermanistik92.
259 23.7. 1874–30.6. 1955; vgl. Bartsch, Selbstdarstellung.DasTodesdatumbeiSchubert,
Akademie fürDeutschesRecht36.
260 SiehedazuJabloner,AbschiedeinesSenatspräsidenten;zurReaktivierunginderNS-Zeit
Ehs, Vertreibung der ersten Staatswissenschafter 247; Olechowski, Rechtsgermanistik
93 f.
261 Vgl. unten365.
DeutschesRechtundÖsterreichischeReichsgeschichte 303
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik