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ausgetretene G l später.268 Er fand eine neue Anstellung bei der Firma Ing.
Kastner, bei der er auch nach demKrieg verblieb, als ihmdieUniversität die
veniadocendiwiederzuerkannte; rechtshistorischpublizierteernach1945nur
mehrwenig.Er starb1958.
TheophilMelicher269warMittelschullehrer, der zunächst romanischePhilo-
logiestudiertund1912denDr.phil.erworbenhatte,erstdanachstudierteerdie
Rechtswissenschaftenundpromovierte1919zumJDr.AusderVerbindungvon
Romanistik und Rechtsgeschichte erwuchs sein Interesse für dieWestgoten-
rechte: 1930 habilitierte er sichmit einer Schrift über den »Kampf zwischen
Gesetzes- und Gewohnheitsrecht im Westgotenreich«;270 1940 erschien eine
Monographieüber »Die germanischen Formender Eheschließung imwestgo-
tisch-spanischen Recht«.271Beide Schriftenwurden kritisch rezensiert, zumal
sich Melicher umstrittener Methoden bediente: Zum ersten ging er von der
Grundannahme eines gemeingermanischen Rechtes aus, das sich in seinen
Grundzügen in allenGermanenstämmengleich entwickelt habe,was es recht-
fertige, Forschungslückenmit Quellenmaterial anderer Germanenstämme zu
füllen;272 zum anderen gliederte er seinen Stoff zu stark nach Begriffen des
modernenRechts(z.B.Rechts-undHandlungsfähigkeit),wasvomRezensenten
geradezu als »Vergewaltigung« des rechtsgeschichtlichen Befundes angesehen
wurde.273 Inhaltlich jedoch passte insbesondere das zweite Buch zu den Be-
strebungen gewisser NS-Kreise, vomPrinzip derMonogamie wieder abzurü-
ckenund istdaherwohlauch imZusammenhangmitderAufnahmeMelichers
indieNSDAPimApril 1940 zu sehen. SeineNähe zuklerikalenKreisen–u.a.
war er seit 1921 Ehrenmitglied der CV–Verbindung »Alpenland« – führte je-
doch zu einem Parteiausschlussverfahren (das bis Kriegsende nicht abge-
schlossenwar)undmachteseineHoffnungenaufeineProfessuranderFakultät
zunichte– sowohlwährendderNS-Zeit, als auchdanach, als seineParteizuge-
hörigkeit bekanntwurde.274
268 MaschinengeschriebenesCurriculumVitae vom26.7. 1945,UAW, JPA306, fol. 013.Vgl.
dazuschonOlechowski,Rechtsgermanistik93.ZumReligionsaustritt vgl. oben75.
269 10.8. 1890–19.4. 1970; vgl. Stradal, Theophil Melicher; Olechowski, Rechtsgerma-
nistik90.
270 Melicher,Westgotenreich.
271 Melicher, Eheschließung.
272 Schultze,Rezension379.
273 Beyerle,Rezension555.
274 Olechowski,Rechtsgermanistik94 f.
DeutschesRechtundÖsterreichischeReichsgeschichte 305
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik