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sei.332 In seinen Vorlesungen habe er »von Anfang an den grossdeutschen
Standpunkt rückhaltlos vertreten und […] bei den Hörern als national« ge-
golten; die Abhaltung von »vaterländischenVorlesungen« habe er stets abge-
lehnt.DerVFhatteerzwar, sowiealleProfessoren,beitretenmüssen, sichaber
dempolitischenKatholizismusgegenüberstetsablehnendverhalten;alsDekan
habeer sich stets fürnationalsozialistischeStudierendeeingesetzt.333
Basierendv.a. auf dembereits erwähntenBerichtGleispachs stufte dieNS-
GauleitungMitteisalseinen»bedeutende[n]LehrerundSchriftsteller«mit»sehr
ausgeprägte[m]Selbstbewusstsein« ein, der sichvorallemaus»verletzte[r]Ei-
telkeit«währendseinerZeitinWienabfälligüberdasNS-Regimegeäußerthatte,
sodasser»füreinenZentrumsmanngehaltenwurde«,wasabernichtstimme;er
sei »betont national und grossdeutsch, aber nicht sozialistisch [sic!, gemeint:
nationalsozialistisch], »seinAbgang ein ernsterVerlust.«334Über ein Jahr lang
blieb der »FallMitteis« in Schwebe; imMärz 1939 entschied der Führer-Stell-
vertreterHeß, dass einAusscheidenMitteis’ ausdemaktivenHochschuldienst
»nichtunbedingtnotwendig«sei;undimDezemberdesselbenJahresentschied
Reichskommissar Bürckel, dass keine Maßnahme nach der BBV einzuleiten
sei.335KurzdaraufwurdeMitteisProfessoranderUniversitätRostock;er fasste
dies–nichtganzzuUnrecht–als eineStrafversetzungauf, die er aber auf sich
nahmundbliebhierbisKriegsende.Bemühungen, ihn1945wiedernachWien
zurückzuholen, scheiterten.336Mitteis ging zunächst nach Berlin, dann nach
München,woeram22./23. Juli 1952 starb.
3. DieuniversitäreLehre1918–1938
ImZentrumderLehredesDoppelfaches»DeutschesRechtundÖsterreichische
Reichsgeschichte« bzw. ab 1935: »Deutsches Recht undÖsterreichische Ver-
fassungs- undVerwaltungsgeschichte« standen dreiHauptvorlesungen: Deut-
sche Rechtsgeschichte, Deutsches Privatrecht undÖsterreichische Reichsge-
schichte. Letztere wurde – angesichts des Zerfalls desÖsterreichisch-Ungari-
332 Wasdannstimmt,wennmandieösterreichischenGrenzenvon1889heranzieht.
333 UAWJPA633HeinrichMitteis,KopieausAkadem.SenatGZ877ex1937/38.
334 Politische Beurteilung über HeinrichMitteis vom 12.9. 1938,ÖStA AdR, BMI, Gauakt
Nr.1840 (HeinrichMitteis).
335 Schreiben vom 23.12. 1939,ÖStA AVA,Ministerium für innere und kulturelle Angele-
genheiten,Z IV-2a–356.440/1939.Olechowski,Rechtsgermanistik91.
336 Siehedazudie1945und1946erhalteneKorrespondenzin:UAWJPA633HeinrichMitteis.
Schwierigkeiten, aus der sowjetisch besetzten Zone, zu der Rostock zählte, auszureisen,
könnten mit ein Grund für das Scheitern der Rückkehr gewesen sein; vor allem aber
entschied das BMU1946, dass die Sache nicht alsWiedergutmachung, sondern alsNeu-
berufungzubetrachtensei,woraufMitteisdas Interesseverlorenhabendürfte.
DeutschesRechtundÖsterreichischeReichsgeschichte 315
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik