Seite - 355 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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abendauseinemFensterseinerimdrittenStockdesHauses9.Bezirk,Wasagasse
50, gelegenenWohnung auf die Straße gestürzt. Er hat einenBruch des Schä-
delgrundes undBrüchedes rechtenOberschenkels unddes linkenOberarmes
erlitten.DieRettungsgesellschaftwurdeberufen,fanddenGelehrtenaberschon
tot.ÜberdieUrsachederTat istbishernichtsbekannt.«66
c) DieNachbesetzungderbeidenerledigtenLehrkanzeln1924–
OskarPiskoundGustavWalker
NachdemTodvonWellspacher undderEmeritierung vonScheywarenbeide
zivilrechtlichenOrdinariatevakant.AlsNachfolgerberufenwurdenOskarPisko
und GustavWalker, die aber nicht hier, sondern an anderer Stelle behandelt
weden sollen, da es sich bei beiden nicht primär umZivilrechtler handelte.67
EinenEinblickindieBerufungdieserbeidenWissenschaftleraufdieLehrkanzel
für Zivilrecht gibt Robert Bartsch in seinen – freilich subjektiv geprägten –
Erinnerungen: »Bald nach meinem Eintritt in den Verwaltungsgerichtshof
[Anm.diesererfolgte1922]schiensichmireineAussichtaufeineProfessur für
bürgerliches Recht an derWienerUniversität zu eröffnen. Schey hatte dieAl-
tersgrenzeerreichtundWellspacherdurchSelbstmordgeendet.Aussichtsreiche
KandidatenwarenEhrenzweig inGrazund ich.GegenEhrenzweigwarbeson-
ders Schwind, der ihn als revolutionären Freirechtler ablehnte und es zuwege
brachte, dass an Stelle Ehrenzweigs der ungefährlichere, aber auchwenig be-
deutendePisko, der bisherHandelsrecht gelehrt hatte, ernanntwurde. Für die
andereLehrkanzelwurdeanerster StelleWalker, anzweiter ichvorgeschlagen.
Walker warMinisterialrat im Justizministeriumund führte dort das interna-
tionale Departements [sic!]. Er war eigentlich Prozessualist und hatte ein
Lehrbuch des Exekutionsrechts geschrieben. Auf demGebiet des Privatrechts
hatte er sich nurmit internationalemRecht befasst. Gleichwohl wurde er er-
nannt. IchhattemichumdieProfessurnichtbemüht.«68
Weitere Informationen lassen sich dem Schreiben des Dekans an das Un-
terrichtsministeriumvom Juni 1924 entnehmen: Sowurde in der Sitzung des
Professorenkollegiums vom21. Juni 1924 über die Nachbesetzung der beiden
Lehrkanzelnverhandelt. IndenBesetzungsvorschlageinstimmigaufgenommen
wurdenPisko,Walker undFriedrichWoess.GegendieAufnahmevonBartsch
stimmte einMitglied.DerZusatzantrag vonAlexanderLöffler »auchProf. Eh-
renzweigaufzunehmen[wurde]mit14gegen4Stimmenabgelehnt.«Diesergab
66 NFPvom22.03. 1923,Nr. 20996, S. 8.
67 ZuOskarPiskovgl. 390; zuGustavWalker vgl. 406.
68 AusdenErinnerungenvonRobertBartsch.DiesesZitatwurde freundlicherweisevonProf.
GeraldKohl, dereineEditiondieserQuelle inArbeithat, zurVerfügunggestellt.
Privatrecht 355
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik