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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Seite - 363 -
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h) WilhelmSchlesinger WilhelmSchlesinger kamam14.Dezember 1894 als SohndesRechtsanwaltes JosefSchlesingerundseinerGemahlinBertha,geborenePostelberg, inWienzur Welt. Er absolvierte dasAkademischeGymnasium inWienund studierte von 1913bis1919(mitkriegsbedingtenUnterbrechungen)Rechtswissenschaften in Wien.Erpromovierte1919undtratnachderGerichtspraxis indieFußstapfen seinesVaters:Sowarerzunächst inderKanzleiHermannPopper tätig,ab1925 war er selbständigerRechtsanwalt und ein Jahr spätermachte er eineKanzlei- gemeinschaftmit EugenBoschanundFelixBrühl auf. Bereits 1922habilitierte sich Schlesinger an derWiener Juristenfakultät mit der Schrift »Pflicht und Pflichtverletzung imRechtder Schuldverhältnisse«.107AbdemWintersemester 1922hielt er je eine zweistündige LehrveranstaltungproSemester. Jedes Som- mersemester bot er eine Vorlesung zum »Speziellen Teil des österreichischen Obligationenrechtes«an, imWintersemester lehrteerein»Konversatoriumund RepetitoriumdesbürgerlichenRechtes«bzw. ab1925»Übungenausdembür- gerlichenRechte«. Seine wissenschaftlichen Interessen konzentrierten sich vor allem auf das Schuldrecht. Schlesinger war insbesondere von seinen Lehrern Josef Hupka, JosephScheyvonKoromlaundMoritzWellspacherbeeinflusst.SeineTheorien entsprachenoft nicht der herrschendenMeinung,was bereits in seinen ersten ArbeitenzumAusdruckkam.SeineerstePublikation»ZumGesetzentwurfüber die Errichtung von Einigungsämtern und über kollektive Arbeitsverträge«108 kritisierte den Gesetzesentwurf über Tarifverträge und Einigungsämter und bewiesbereits seine»glänzendeDarstellungskunst«.109Ein Jahr später erschien die Schrift »Vertragsverletzung undGewährleistung«110 – seine »scharfsinnige WiderlegungderTheorievondererfüllungsweisenAnnahmehatsichzwarnicht zur herrschenden Lehre durchzusetzen vermocht, hat aber die entscheidende Zustimmung Piskos gefunden«, urteilte Rechtsanwalt Rudolf Löbl später in seinemNachrufaufSchlesinger.111UndtatsächlichbeurteiltePiskoSchlesingers Arbeit sehrpositiv:»Sie läßtbereitsdeutlichdasTalent,dasselbständigeUrteil und den kritischen Blick des Verfassers erkennen, der in dieser gehaltvollen Schriftmancheeingealterte IrrtümeraufgedecktundmanchevonderAutorität der ›herrschenden Lehre‹ getrageneAnsichten überzeugendwiderlegt hat.«112 107 Dekan an BMU vom 13.7. 1922,ÖStA AVA, Unterricht Allg., Univ. Wien, Karton 613, PersonalaktSchlesingerWilhelm. 108 Schlesinger,Gesetzentwurf. 109 Bettelheim, Schlesinger11. 110 Schlesinger,VertragsverletzungundGewährleistung. 111 Löbl,Dr.WilhelmSchlesinger427. 112 Pisko,WilhelmSchlesinger33. Privatrecht 363
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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