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h) WilhelmSchlesinger
WilhelmSchlesinger kamam14.Dezember 1894 als SohndesRechtsanwaltes
JosefSchlesingerundseinerGemahlinBertha,geborenePostelberg, inWienzur
Welt. Er absolvierte dasAkademischeGymnasium inWienund studierte von
1913bis1919(mitkriegsbedingtenUnterbrechungen)Rechtswissenschaften in
Wien.Erpromovierte1919undtratnachderGerichtspraxis indieFußstapfen
seinesVaters:Sowarerzunächst inderKanzleiHermannPopper tätig,ab1925
war er selbständigerRechtsanwalt und ein Jahr spätermachte er eineKanzlei-
gemeinschaftmit EugenBoschanundFelixBrühl auf. Bereits 1922habilitierte
sich Schlesinger an derWiener Juristenfakultät mit der Schrift »Pflicht und
Pflichtverletzung imRechtder Schuldverhältnisse«.107AbdemWintersemester
1922hielt er je eine zweistündige LehrveranstaltungproSemester. Jedes Som-
mersemester bot er eine Vorlesung zum »Speziellen Teil des österreichischen
Obligationenrechtes«an, imWintersemester lehrteerein»Konversatoriumund
RepetitoriumdesbürgerlichenRechtes«bzw. ab1925»Übungenausdembür-
gerlichenRechte«.
Seine wissenschaftlichen Interessen konzentrierten sich vor allem auf das
Schuldrecht. Schlesinger war insbesondere von seinen Lehrern Josef Hupka,
JosephScheyvonKoromlaundMoritzWellspacherbeeinflusst.SeineTheorien
entsprachenoft nicht der herrschendenMeinung,was bereits in seinen ersten
ArbeitenzumAusdruckkam.SeineerstePublikation»ZumGesetzentwurfüber
die Errichtung von Einigungsämtern und über kollektive Arbeitsverträge«108
kritisierte den Gesetzesentwurf über Tarifverträge und Einigungsämter und
bewiesbereits seine»glänzendeDarstellungskunst«.109Ein Jahr später erschien
die Schrift »Vertragsverletzung undGewährleistung«110 – seine »scharfsinnige
WiderlegungderTheorievondererfüllungsweisenAnnahmehatsichzwarnicht
zur herrschenden Lehre durchzusetzen vermocht, hat aber die entscheidende
Zustimmung Piskos gefunden«, urteilte Rechtsanwalt Rudolf Löbl später in
seinemNachrufaufSchlesinger.111UndtatsächlichbeurteiltePiskoSchlesingers
Arbeit sehrpositiv:»Sie läßtbereitsdeutlichdasTalent,dasselbständigeUrteil
und den kritischen Blick des Verfassers erkennen, der in dieser gehaltvollen
Schriftmancheeingealterte IrrtümeraufgedecktundmanchevonderAutorität
der ›herrschenden Lehre‹ getrageneAnsichten überzeugendwiderlegt hat.«112
107 Dekan an BMU vom 13.7. 1922,ÖStA AVA, Unterricht Allg., Univ. Wien, Karton 613,
PersonalaktSchlesingerWilhelm.
108 Schlesinger,Gesetzentwurf.
109 Bettelheim, Schlesinger11.
110 Schlesinger,VertragsverletzungundGewährleistung.
111 Löbl,Dr.WilhelmSchlesinger427.
112 Pisko,WilhelmSchlesinger33.
Privatrecht 363
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik