Seite - 366 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Strafrechtler »FerdinandKadecˇka […]oft [s]ein Sitznachbar […]war«.126An-
schließend studierte er ab1892Rechts-undStaatswissenschaften inWien, be-
sondersinErinnerungsindihmvonseinenakademischenLehrernderRomanist
Adolf Exner, der Germanist Heinrich Siegel, der »ernste Volkswirtschaftler«
Philippovich und der »sarkastische Spötter« Edmund Bernatzik geblieben.127
Nach seinerPromotion1898 tratBartsch indenGerichtsdienst einundabsol-
vierte eineinhalb Jahre später dieRichteramtsprüfung. SeineTätigkeit amBe-
zirksgerichtWieden inWien ermöglichte ihmdieweitereVerfolgungwissen-
schaftlicher Interessen: »Wissenschaftliche Arbeit hatmich von jeher gefreut
undmeinebisherigenErfolge inSeminarien, die ich auchnachErlangungdes
Doktorgradesfleißigbesuchte,gabenmitHoffnung,daß ichetwaswürdeleisten
können.«128 Er beschloss, sich zu habilitieren und fand zunächst in Ludwig
Mitteis einen Förderer seiner wissenschaftlichenWeiterbildung. Dies währte
jedochnur kurz –Mitteis ging 1897 nachLeipzig undBartsch blieb ohneAr-
beitsthemazurück. EinFamilienrechtsfall beiGericht inspirierte ihn zumVer-
fassenseineserstenWerkeszumThema»RechtderFraualsGattinundMutter«.
DieSchrift entstandwährend seinerZeit als Juristenpräfekt anderTheresiani-
schenAkademie. Zunächst als rechtsvergleichendeArbeitmit einer rechtshis-
torischenEinleitunggedacht, »drohtedie [historischeEinleitungdie] geplante
Darstellung des geltenden Rechts ganz zu überwuchern«.129 Schließlich folgte
Bartsch dem Anraten seines Kollegen Josef Mauczka und konzentrierte sich
alleinaufdenhistorischenTeil,mitderAbsicht, sichnicht fürösterreichisches
Privatrecht sondernnunfürRechtsgeschichtezuhabilitieren.»Zwei Jahrenach
meinemEintrittindasTheresianumwardieArbeitfertig,sieerschienunterdem
Titel: ›DieRechtsstellungderFraualsGattinundMutter‹ imJuli1903[…].Das
Buchwar ohne Patronanz eines Professors bei Themenwahl undAusführung
verfaßt, es war nicht die Bearbeitung einer Einzelfrage in monographischer
Form,wiesiedas19. Jahrhundertpflegte,sonderneineZusammenschau,wiesie
erst die neueste Zeit wieder schätzt.«130 Bartsch kontaktierte Ernst Schwind
bezüglich seinesHabilitierungswunsches, dieser riet ihmvorerst noch ein Se-
mester inMünchenbeiKarl v. Amira zu verbringen,wasBartschmachte und
sichdort indie altnordischeRechtsgeschichte vertiefte.Nach seinerRückkehr
»fand Schwind, daß zur Habilitierung noch eine zweite Arbeit nötig sei.«131
BartschverfasstediesezumEhegüterrechtdes16. Jahrhunderts,undstelltenun
dasoffizielleGesuchumHabilitierung.AlsGutachter in seinemHabilitations-
126 Bartsch, Selbstdarstellung22.
127 Bartsch, Selbstdarstellung22.
128 Bartsch, Selbstdarstellung23.
129 Bartsch, Selbstdarstellung25.
130 Bartsch, Selbstdarstellung26.
131 Bartsch, Selbstdarstellung26. Die
judiziellenFächer366
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik