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SchülerFranzHofer,sowievorallem»DieHochzeitdesFigaro«,eineMappemit
30 FederzeichnungenvonMoritz v. Schwind, die er währenddes ErstenWelt-
kriegesvonderTochterdesKünstlers–undCousinedesRechtshistorikersErnst
v.Schwind–um30.000Kronenerworbenhatte.2311925veröffentlichteer inder
»NeuenFreienPresse«einenumfangreichenBeitragzur»Albertina-Frage«.Die
vonHerzogAlbert vonSachsen-Teschenbegründeteweltberühmte graphische
Sammlung, die sich zuletzt im Eigentum von Erzherzog Friedrich befunden
hatte, warmit demHabsburgergesetz vom3.April 1919 in das Eigentumder
Republikübergegangen;imfolgendenJahrwurdedieKupferstichsammlungder
ehemaligen k.k. Hofbibliothekmit ihr vereinigt, sodass die – seit 1921 auch
offiziellals»Albertina«bezeichnete–Graphiksammlungmehrals20.000Blätter
besaß, viele davonallerdingswarenDubletten.232Wie in solchenFällenüblich,
beschlossdieAlbertina,dieDublettenzuveräußernumdafürandereGraphiken
zurVervollständigung ihrer Sammlung zu erwerben. ZudiesemZweckwurde
eine siebenköpfige Dublettenkommission gebildet, bestehend aus »drei gra-
phischen Künstlern und drei Kunstgelehrten«, die siebente Person war aller
Wahrscheinlichkeit nachHupkaselbst.233DieArbeitderKommissionwurde in
Fachkreisen argwöhnisch beobachtet; angesichts der finanziellen Lage des
Staates war die Versuchung groß, wertvolle Kunstschätze leichtfertig aus der
Hand zu geben, und namentlich der Entschluss, dieDubletten nicht inWien,
sondernbeimAuktionsinstiutC.G.Boerner inLeipzigzuveräußern,warheftig
kritisiert worden. Diesen Stimmen trat Hupka entgegen, indem er feststellte,
dass »dieLeipzigerAuktionenbeiBoernerderwichtigste internationaleMarkt
für Graphik sind und weil dagegen inWien die wirtschaftliche Konjunktur
schlecht,dasAuktionspublikumimallgemeinenunberechenbarundnurwenige
Interessenten für ernsteGraphikvorhandensind.«234
Auch sonst trat Hupka in derÖffentlichkeit immer wieder zu kontrovers
diskutiertenThemenauf.SounterzeichneteerimFrühjahr1930einenAppellan
denStrafrechtsausschussdesNationalrates,den»Homosexuellenparagraphen«
(§129Z 1 lit b StG 1852) abzuschaffen unddie »homosexuellen Beziehungen
zwischen erwachsenenMännern bei gegenseitigem Einverständnis« zu erlau-
ben.DerAppellwurdeaußervonHupkavonkeinemanderenFakultätsmitglied,
231 Lillie,Was einmal war 525 f. Siehe dazu auch den Fünften Bericht des amtsführenden
Stadtrates fürKulturundWissenschaftüberdiegemäßdemGemeinderatsbeschlussvom
29.April 1999 erfolgteÜbereignungvonKunst- undKulturgegenständenausdenSamm-
lungenderMuseenderStadtWiensowiederWienerStadt-undLandesbibliothek[http://
www.wienmuseum.at/fileadmin/user_upload/PDFs/Restitutionsbericht_2004.pdf – abge-
rufen18.12. 2013]139–148.
232 Dossi,Albertina42.
233 Vgl. dieAngabenbeiHupka, DieAlbertina-Frage11. EineumfassendeAufarbeitungder
GeschichtederAlbertina ist einForschungsdesiderat.
234 Hupka,DieAlbertina-Frage1.
Handels- undWechselrecht 387
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik