Seite - 405 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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humanum« und sprach sich sogar für einen »internationalen Verfassungsge-
richtshof« aus307– immerhinvier Jahre, bevorKelsendiesenGedankenaufder
DeutschenStaatsrechtslehrertagung inWienaufsTapetbrachte.308Undgleich-
samwieeineProphezeiungder28 JahrespätergegründetenMontanunionklang
es,wennSperldieFragestellte,ob»Erze,Kohlen,Erdöl immerwiederUrsachen
für diplomatisches Intrigenspiel und weiterhin für Kriege sein« müssten.309
Docherklärte Sperl zugleich, dass sichdas »heimatlicheRecht […]zurWehre
setzen«müsse, »wennesmit ihmwesensfremdenGrundsätzenüberschwemmt
und von internationaler Gleichmacherei bedroht wird.«310 Sperl nannte als
Beispiel andieserStelledieEuropäisierungder islamischenundorientalischen
Länder, vor deren verderblichen Folgen er warnte. Aber wer hier noch einen
anderenUntertonheraushörte, derhatte sich in seinemGefühlnichtgeirrt: So
forderte Sperl auch einen »Mindest-Standarddes Lebens für dieweißeRasse«
undkritisiertediePariserVororteverträge,dieDeutschlandseineKolonienund
Österreich den Zugang zur Adria genommen hatten.311 – 17 Jahre später be-
richtete die Kreisleitung derNSDAPWien, dass Sperl zwarMitglied der pan-
europäischenUnion, jedoch»immernational gesinnt«gewesen sei,wennauch
»mehr indernational liberalenRichtung.NochinderVerbotszeit [1933–1938]
fand er denWeg zumNationalsozialismus« und unterstützte die nationalso-
zialistische Bewegung bei »einzelnen lokalen Anlässen« […] »Auf der Hoch-
schule verurteilte er das System, wenn er sich auchmit Rücksicht auf seine
StellungMässigungauferlegenmusste.«AuchalsRektorhabeer immergezeigt,
dasserein»völkischerHochschulprofessor«sei.312AusdiesemGrundundwohl
auchaufgrundseinerMitwirkungamdeutsch-österreichischenZollunionsplan
wurde Sperl, als er am 1. Juni 1938 derNSDAPbeitrat, der Status eines »Alt-
parteigenossen«zuerkannt.313
SperlwarGründungsmitglieddesDeutschenSchulvereinsundelf Jahre lang
Vorsitzender des Wiener Männergesangsvereines. Neun Jahre nach seiner
Emeritierung, 1942, veröffentlichte der sechsfache Vater und vielfache Groß-
vatereinKinderbuch,betitelt»Waldgeschichten,MärchenundFabeln«,welches
307 Sperl,Nationalismus, InternationalismusundRechtsordnung42, 47.
308 Kelsen,WesenundEntwicklungderStaatsgerichtsbarkeit 84; vgl. unten495.
309 Sperl,Nationalismus, InternationalismusundRechtsordnung45.
310 Sperl, ebd.49.
311 Sperl, ebd.44.
312 ÖStAAdR,BMI,GauaktNr. 124439 (HansSperl), fol. 9r, 12r, 14v.
313 SeineMitgliedsnummer lautete: 7683719;vgl.ÖStAAdR,BMI,GauaktNr. 124439(Hans
Sperl), fol. 14v.– IndemvonHansSperl eigenhändigunterzeichneten,mit »19. Juli 1945«
datiertemPersonenstandsblatt derUniversitätWien gabSperl demgegenüber an, dass er
lediglich»Anwärter«, undzwar »vermutlich seitHerbst 1939«gewesen sei:UAW, Jur. PA.
Hans Sperl, fol. 15. DieseAngabe ist eindeutig falsch; ob Sperl bewusst täuschenwollte,
mussoffenbleiben.
ZivilgerichtlichesVerfahrensrecht 405
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik