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a) Rudolf Pollak
Rudolf Pollak344 wurde 1864 inWien als ältester Sohn des nachmaligen Be-
gründers,Miteigentümers undHerausgebers des »NeuenWiener Tagblattes«,
Heinrich Pollak345, geborenundpromovierte 1887 zum JDr.; 1889 legte er die
Richteramtsprüfungab,1893auchdieAdvokatursprüfung.DanebenwarPollak
aber auch wissenschaftlich tätig und veröffentlichte mehrere Aufsätze, 1892
reiste er nachLeipzig, umdort dieVorlesungendesZivilprozessualistenAdolf
Wachzuhören. 1894habilitierteersichanderUniversitätWienmiteinerSchrift
überdas»GerichtlicheGeständniss imCivilprozesse« fürZivilprozessrechtund
Verfahren außer Streitsachen, in der er der herrschendenLehre entgegen trat,
dassdasGeständniseinAktderParteiendispositionsei;vielmehrhandleessich
um ein Beweismittel mit bindender Beweiskraft. Auchwenn sich seine Lehre
nicht durchsetzenkonnte, so fanddie Schrift doch auch international viel Be-
achtung. Ab 1897 amHandelsgerichtWien tätig, wechselte Pollak 1912 zum
OberlandesgerichtWienund1920zumOGH,woer1922zumHofratdesselben
ernanntwurde.ParalleldazuwarPollakab1898alsProfessor fürHandelsrecht
undRechtsverfolgung ander Exportakademie tätig und erhielt 1907 denTitel
eines ao. Professors,346 1913 den Titel eines o. Professors der Universität
Wien.1926wurdeerzumo.ProfessoranderHochschulefürWelthandel(welche
ausdervormaligenExportakademiehervorgegangenwar)ernanntundwarhier
bis zu seinemEintritt in denRuhestand 1934 tätig, lehrte daneben aber auch
weiteranderUniversitätWien.Alserdas70.Lebensjahrvollendete,beantragte
dieFakultätdieErstreckungseinerveniaüberdieseAltersgrenzehinaus,»dader
Genannte eine sehr verdienstliche undwertvolle Lehrtätigkeit entfaltet«, was
auchbewilligtwurde.347
Pollak »zählte bereits imUrteil seiner Zeitgenossen zu denKoryphäen des
Zivilprozeß- und des Insolvenzrechts. Entsprechend seiner zweigleisigen Be-
rufslaufbahnverstandereshervorragend,TheorieundPraxisgleichermaßenzu
vertretenundzuverbinden,ohneErörterungendelegelatamitErörterungende
legeferendainunzulässigerWeisezuverquicken.«348MaßgeblichanderReform
344 Habilitationsaktmit handgeschriebenemLebenslauf (undatiert, vermutlich 1894),ÖStA
AVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton613,PersonalaktPollakRudolf.Vgl.auchWerner
Ogris,Pollak,Rudolf, in:NDBXX(Berlin2001)602;Mair,Zivilverfahrensrecht312–316.
345 ChristineGruber, Pollak,Heinrich, in:NDBXX(Berlin2001)601 f.
346 Bereits 1899beantragte SchrutkadieTitelverleihung für den–mittlerweile zumKatholi-
zismuskonvertierten–Pollak,wasdamals jedochnochabgelehntwurde:ÖStAAVA,Un-
terrichtAllg.,Univ.Wien,Karton613,PersonalaktPollakRudolf.
347 SchreibenderFakultätandasBMUvom20.7. 1934,BMUEvom12.10. 1934,Z2870/1934,
ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton613,PersonalaktPollakRudolf.
348 WernerOgris, Pollak,Rudolf, in:NDBXX(Berlin2001)602. Die
judiziellenFächer412
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik