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c) HansSchimasen.
Deutlich jüngeralsdiebeidenzuvorgenanntenwarder1894 inWiengeborene
HansSchimasen.364NachdemStudiumderRechte inWien,beruflicherTätig-
keit in der Finanzprokuratur und Ablegung der Rechtsanwaltsprüfung mit
Auszeichnung1923 trat er indasFinanzministeriumein,woerdreizehn Jahre
zunächst inderAbgaben-undKreditsektion, später imPräsidialbürotätigwar.
Doch nochwährend seines Kriegsdienstes 1914–1918 war sein Interesse am
Zivilverfahrensrecht erwacht. »Aus der Erkenntnis heraus, daß die beste
Rechtsordnungnichtshilft,wennsiebloßaufdemPapiersteht,erachteteerder
Pflege und der Fortbildung des Verfahrensrechts schon damals dasHauptau-
genmerk zuwenden zumüssen.«365 1928habilierte er sichmit einer rechtsver-
gleichendenArbeitüber »DieVersäumnis imZivilprozeß« fürZivilverfahrens-
recht. 1934wurdeihmderTiteleinesao.Universitätsprofessorsverliehen;1936
wechselte er vomFinanzministerium in den Bundesgerichtshof, wo er v.a. in
finanzrechtlichenSenaten tätigwar.Anlässlichder60.WiederkehrderEinfüh-
rung der Verwaltungsgerichtsbarkeit in Österreich verfasste Schima einen
Aufsatz, indemer »DasVerfahrenvordemBundesgerichtshof imLichte einer
allgemeinen Prozeßrechtslehre« untersuchte und entsprechend würdigte –
mancheBestimmungendesBundesgerichtshofgesetzeskönnten»geradezuzum
Vorbild bei einer Prozeßreform genommenwerden«366 – aber sich in keiner
Weise zur politischenRolle dieses öffentlich-rechtlichenGerichtshofes äußer-
te.367
DersehrreligiöseKatholikgaltnachdenNS-Gesetzenals»Mischling2.Grades«,
weshalber1938nach§3BBVindenRuhestandversetztwurde;dieveniadocendi
wurde ihm aberkannt.368 Hans Schima arbeitete während der NS-Zeit in einer
Rechtsanwaltskanzlei, gegenKriegsendewurde er in denVolkssturmeinberufen.
Am28.November1945wurdeerzumordentlichenProfessordesZivilverfahrens-
rechts ernannt und übte in der Folgemehrmals das Amt des Dekans sowie im
Studienjahr1956/57dasAmtdesRektorsderUniversitätWienaus.Erstarb1979.
364 Alle Angaben nachMair, Zivilverfahrensrecht 320–325 und Fasching, Kralik, Leben
undWerk.
365 Fasching,Kralik,LebenundWerk10.
366 Schima,VerfahrenvordemBundesgerichtshof45.
367 Vgl. zum Bundesgerichtshof und seiner Stellung im austrofaschistischen System Ole-
chowski,Verwaltungsgerichtshof49 ff;Reiter-Zatloukal, Bundesgerichtshof.
368 Mair, Zivilverfahrensrecht 322 f; unrichtig daherOlechowski, Verwaltungsgerichtshof
54, insoweitdortSchimaals »Mischling1.Grades«bezeichnetwird.
Die
judiziellenFächer416
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik