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durchdachten, gründlichenBearbeitungeinesder systematischenOrdnungsehr
widerstrebendenRechtsstoffes.«444
GleispachwarMitgliedvielerangesehenerGesellschaften:1910wurdeerzum
ordentlichenMitglied–ab1916wohlaufGrundseinesUmzugsnachWienzum
korrespondierenMitglied–derGesellschaft zur FörderungdeutscherWissen-
schaft, Kunst und Literatur in Böhmen gewählt.445 1925 wurde Gleispach auf
VorschlagHansVolteliniszumkorrespondierendenMitgliedderAkademieder
Wissenschaften inWien, 1928–ebenfalls durchVoltelini vorgeschlagen–zum
wirklichenMitglied gewählt.446Danebenwar er u.a. Obmann der österreichi-
schen kriminalistischen Vereinigung, Mitglied der ständigen Deputation des
deutschen Juristentages,MitgliedundDelegierterÖsterreichs inderCommis-
sion Internationale P¦nale et P¦nitentiaire,Mitherausgeber der Zeitschrift für
die gesamte Strafrechtswissenschaft und der Lilienthal-Schoeteusackschen
Strafrechtlichen Abhandlungen, Mitglied des Vereines für Psychiatrie und
Neurologie inWien,HonoraryFellowforLifeof theInternationalMedico-Legal
Association, Präsident des Verbandes der österreichischen Hochschulen und
MitglieddesRedaktionskomiteesdesRecueildeDocumentsenMat ereP¦naleet
P¦nitentiaire.447
NebenseinemEinsatzfürdieStrafrechtsreformunddiekriminologischeund
kriminalistische Ausbildung von Juristinnen und Juristen war Gleispach ins-
besondere für seine antisemitischenAktionenbekannt. Sowar ermaßgeblich
beteiligt an der Entstehung der Wiener Studentenordnung (auch als Glei-
spachscheStudentenordnungbekannt)von1930.448LautFriedrichBrassloffwar
Gleispach auch einer der Initiatoren des Universitätsskandals um Stephan
Brassloff:449 Sobeschreibt erGleispach als »unabhängig von seinemNational-
sozialismus ein[en] böse[n] Intrigant[en]«450. Gleispachs offener Antisemitis-
muserlangteganzbesonderswährendseinerAmtszeitalsRektorderUniversität
Wien mediale Aufmerksamkeit. Von mehreren Vorfällen berichtete die
deutschsprachige Presse: Im Sommersemester 1930 nahm Gleispach an der
PfingsttagungdesVereinesfürdasDeutschtumimAuslandteil,mitderAbsicht,
bei der festlich-religiösenMorgenfeier die Schlussansprache zu halten. Dazu
sollte es jedoch nicht kommen, denn – so weiß die Vossische Zeitung am
444 Adamovich,WenzeslausGrafGleispach192.
445 SchreibendesVorsitzendenanGleispachvom29.1. 1910,ArchivderAkademiederWis-
senschaftenzuPrag,PersonalaktGleispachWenzel.
446 AÖAW,Wahlen1919–1936.
447 VglPersonalstandverzeichnissederUniversitätWien1917/18bis 1933/34.
448 Vgl. dazu110f.
449 Vgldazu87–89, 283.
450 InterviewmitFriedrichBrassloffdurchgeführtvonKonstantinKaiser1984, [http://access.
cjh.org/429549–abgerufen19.7. 2013].
StrafrechtundStrafprozessrecht 429
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik