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BeobachterundhervorragendinderTatortarbeit.SeinebesondereStärkewaren
SchriftvergleichungundUrkundenuntersuchung.«5491928publizierteStreicher
eine Arbeit zu den graphischen Gaunerzinken, das historische undmoderne
Zinken behandelte.550 Sein kriminalistisches Wissen vermittelte Streicher ab
dem Sommersemester 1924 in unzähligen Lehrveranstaltungen, die sich vor
allemmit der allgemeinenKriminalistik,mit kriminalistischenArbeitsmetho-
den und mit der kriminalistischen Technologie (bspw. Nachweis von Fäl-
schungenundSpurenlehre)undmitKriminaltaktikbeschäftigten.Ab1935hielt
er auch regelmäßig strafrechtliche Lehrveranstaltungen.1946wurde Streicher,
der u.a. der NSDAPals »Illegaler« beigetretenwar,551 »imHinblick auf [sein]
VerhaltenwährendderZeit derdeutschenOkkupation« indendauerndenRu-
hestandversetzt.552Streicherwarseit1922mitRosaNicklasverheiratet,553dieser
EheentsprangenzweiKinder.554Er starbam26.Mai1977.
h) RolandGraßberger
RolandGraßberger kam am12.Mai 1905 als Sohn des gleichnamigenHygie-
nikers555unddessenFrauMathilde inWien zurWelt. Schonwährenddes Stu-
diums anderUniversitätWien entdeckte er sein Interesse für Strafrecht, Kri-
minologie und Kriminalistik: Bereits im dritten Semester belegte er neben
strafrechtlichen Lehrveranstaltungen bei Gleispach auchVorlesungen des In-
stitutsfürdiegesamteStrafrechtswissenschaftundKriminalistikunteranderem
beimKriminologenStreicher undKriminalstatistiker Forcher.556 SeineHabili-
tationsschrift »DieBrandlegungskriminalität« verfassteGraßbergernochwäh-
rend des Studiums. Als Grundlage dafür hatte ihm eine im Sommersemester
besuchte kriminologische Übung gedient.557 Nach seiner Promotion 1928
machteGraßbergerseinenGerichtsdienstundführtemehrereMonatehindurch
StudienbeiderWienerBerufsfeuerwehrdurch.1930beganneramInstitut für
549 Császár,DieLiebiggasse29.
550 Streicher,DiegraphischenGaunerzinken.
551 UAW, J PA 416 (Hubert Streicher), fol. 012; Bruckmüller, Höpfel, Strafrecht – ein
Brennpunkt imNationalsozialismus371.
552 DekretdesUnterrichtsministersvom2.2.1946,UAW,JPA416(HubertStreicher), fol. 010.
553 AnzeigederVermählung,UAGraz, JuristischesDek.1921/22, 527ex1921/22.
554 UAW, JPA416 (HubertStreicher), fol. 014.
555 RolandGraßbergersen.hattesichbereits1902inWienfürHygienehabilitiert,ab1924war
erOrdinariusundVorstanddeshygienischenInstitutsderUniversitätWien.1936wurdeer
indenRuhestandversetzt.Vgl.MarleneJantsch,Graßberger,Roland,in:NDBVII(Berlin
1966)1 f.
556 Vgl.Burgstaller,RolandGraßberger70 Jahre306;Császár,DieLiebiggasse32.
557 Und zwar die Lehrveranstaltung »Anleitung zuwissenschaftlichen kriminologischenAr-
beiten« abgehaltenvonStreicher undGleispach, vglGleispach,WienerUniversitäts-In-
stitut 602. Die
judiziellenFächer444
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik