Seite - 451 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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hatteundbereits ab1919 inTübingenwirkte,berufenwerden:»SeineErnennung
war imMinisterium […]bereits vollkommenvorbereitet, derVollzug ist wenige
Tage,eheerhättestattfindensollen,amZerfallOesterreichsgescheitert.AlsTesarim
Spätherbst 1918 von der deutschenWestfront heimkehrte, fand er die Aussicht
vernichtet, nach zehnjährigerDozentenzeit endlich eineLehrkanzel zu erreichen,
undzugleichdieStätteseinerfrüherenWirksamkeit indenHändenderTschechen.
SeinekürzlichvollzogeneErnennungzumSekretäramd.ö.Verfassungsgerichtshof
hatihmnuninWiendieGrundlagederExistenzgeboten.«6061919beantragteTesar
dieÜbertragungseiner veniadocendiandieUniversitätWien,wasvonGleispach
undStoossbefürwortetwurde.ImWintersemester1919botTesareinezweistündige
Vorlesung zumPreßrecht607 an, darin erschöpfte sich seine Lehrtätigkeit an der
UniversitätWien,dennbereits1920wurdeerzunächstaußerordentlicherunddann
ordentlicher Professor inKönigsberg. Von 1935 bis zu seiner Emeritierung 1949
lehrteTesaralsordentlicherProfessorinHamburg,woerseit1936dasSeminarfür
StrafrechtundKriminalpolitik leitete.608 In seinenArbeitenverfolgteTesar rechts-
historische und rechtsphilosophische Ansätze. Waider hebt in seinem Nachruf
besondersdieSchriftTesars »DieÜberwindungdesNaturrechts inderDogmatik
des Strafrechts« aus 1928 hervor: »In seiner wohl tiefgründigstenUntersuchung
überdieÜberwindungdesNaturrechts inderDogmatikdes Strafrechts, die, be-
sondersvonKelsenbeeinflußt,VorarbeitenzumAufbaueinervonZeitströmungen
und ethisch-politischenTendenzen freien, ›reinen‹ Strafrechtsdogmatik zumZiel
hatten,wandtesichderVerstorbeneebensogegendenNaturalismuswiegegeneine
gedankenloseÜbernahmevonNaturrechtssätzen,dievonAllgemeingültigkeitund
Unveränderlichkeit ihrer Problemlösungen ausgingen.«609Tesar starb am8.März
1965.
m) WeitereLehrende
Neben juristischenVorlesungenwurden anderRechts- undStaatswissenschaftli-
chenFakultätLehrveranstaltungenangeboten,diesichimjuristisch-medizinischen
Grenzgebiet bewegten. Als Lehrende scheinen in den Vorlesungsverzeichnissen
etlicheMediziner auf: So las Ernst Bischoff610 bis 1922 gerichtliche Psychiatrie,
Hermann Herschmann611 hielt Vorlesungen zu psychiatrisch-kriminalistischen
Grenzfragen und zu psychiatrischen Reformbestrebungen auf dem Gebiet des
606 BerichtGleispachsundStoossüberTesar,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton
614,PersonalaktTesarOttokar.
607 VorlesungsverzeichnisderUniversitätWienWS1919/20.
608 Waider,OttokarTesar†189.
609 Waider,OttokarTesar†190.
610 ErnstBischoff (6. 2. 1868–10.4. 1957).
611 HermannHerschmann(11.3. 1889–21.9. 1933).
StrafrechtundStrafprozessrecht 451
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik