Seite - 455 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Bild der Seite - 455 -
Text der Seite - 455 -
brachteGleispacheinenAntragbeimProfessorenkollegiumderWienerRechts-
und Staatswissenschaftlichen Fakultät auf die Errichtung eines kriminalisti-
schenUniversitätsinstitutes ein.627 »Das Institut soll der Lehre undForschung
aufdemGebiet des Strafrechtsund seiner sämtlichenHilfswissenschaftendie-
nen. Zu seinemGebiet gehörendaher nebendemStrafrecht imengsten Sinne
des Wortes Krim.-Soziologie, -Anthropologie, objektive Krim.-Psychologie,
Krim-Phaenomologie[sic!],Kriminalpolitik,PeonologieundGefängniskunde;
nebendemStrafverfahren subjektiverKriminalpsychologie undKriminalistik
imengstenSinnedesWirtes [sic!].«628– sodefinierteGleispachdieAufgaben
undZiele seines Institutes imAntrag.AlsVoraussetzung fürdieAbhaltungvon
LehrveranstaltungenamInstitut nannteGleispachdiePrivatdozentur aneiner
Fakultät derWienerUniversität –damit zogGleispach eineGrenze zuden (ab
1924) stattfindendenKursenderBundespolizeidirektion, bei denenauchnicht
Habilitierte vortrugen (bsp. der Jurist Dr. Siegfried Türkel, der Chemiker Dr.
JosefDaimer). Das Institut sollte demnach »Semestralvorlesungen,Kurse und
Vorträge« anbieten,weiters eineumfangreicheBibliothekundeine Sammlung
entsprechenderApparate vorweisen, kriminalistischeGutachten erstellen und
wissenschaftlicheAbhandlungenpublizieren.629Dafürwarensowohlpersonelle,
infrastrukturelle als auch finanzielle Ressourcen notwendig –Räumlichkeiten
(zunächst noch für ein strafrechtliches Seminar)wurdenGleispach bereits im
Mai 1921 versprochen. Um seine Ziele zu erreichen, forderte Gleispach das
Professorenkollegium auf, folgende Schritte zu setzen: »I. Das Professoren-
KollegiumderRechts-undStaatswissenschaftlichenFakultätbefürwortetbeim
UnterrichtsamtdieErrichtungeinesInstitutes fürdieger. [!]St.R.Wissenschaft
undKriminalistik andieser Fakultät nachdenVorschlägenundunterderLei-
tungdesordentl. ProfessorsDr.Gleispach. II.DasProfessoren-Kollegium[…]
ersucht Se. Magnifizenz denHerrn Rektor und den akademischen Senat, die
eheste Eröffnung und die Ausgestaltung des Institutes bei der Zuweisung der
erforderlichen Räume und der Verteilung der Mittel, die der Universität für
Institutszwecke zukommen, zu fördern.«630 Die Fakultät förderte Gleispachs
Bestrebungen, auch das Unterrichtsministerium begrüßte die Initiative und
sicherteUnterstützungzu.Sokonnte imSommersemester1923das Institutdie
627 Mitteilungen undAntrag Gleispachs vom18.5. 1922,ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.
Wien,Karton699, Institut fürStrafrechtundKriminalistik.
628 Mitteilungen undAntrag Gleispachs vom18.5. 1922,ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.
Wien,Karton699, Institut fürStrafrechtundKriminalistik.
629 Mitteilungen undAntrag Gleispachs vom18.5. 1922,ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.
Wien,Karton699, Institut fürStrafrechtundKriminalistik.
630 Mitteilungen undAntrag Gleispachs vom18.5. 1922,ÖStAAVA,Unterricht Allg., Univ.
Wien,Karton699, Institut fürStrafrechtundKriminalistik.
StrafrechtundStrafprozessrecht 455
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik