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GebietederKriminologie[…]insLebenzurufen.«649DasersteSemesterbegann
mit 10.November 1924. Angebotenwurden folgendeVorlesungen: »Krimina-
listischePropädeutikundMethodenlehre einschliesslichderkriminalistischen
Instrumentenkunde,Einführung indiekriminalistischwichtigstenKapitel der
Physik (Kriminalistische Physik), kriminalistischeWarenkunde und Techno-
logie, praktische Einführung in die photographische Technik, Privatwirt-
schaftslehre (Einführung in das Bankenwesen- und indie Bücher undBilanz-
prüfung).«650DanebenkonntenÜbungen zur kriminalistischenOptikundzur
wissenschaftlichenMikroskopie (mitbesondererBerücksichtigungkriminalis-
tischer undwarenkundlicher Untersuchungen) besucht werden. Das Ziel war
den leitenden Polizeibeamten hochschulmäßigen Unterricht und wissen-
schaftlicheForschungaufdemGebietederKriminologiezubieten.DasInstitut
hatte seinen Sitz im Amtsgebäude der Polizei-Direktion, IX. Rossauerlände
Nr. 7, I. Stock, Tür 88 und 89. Die administrative Leitung oblag demPolizei-
DirektorDr.BrunoSchultz, diewissenschaftlicheLeitungübernahm»derVor-
standderLehrkanzel fürKriminalistik,DozentDr. SiegfriedTürkel«651.
4. DieStrafrechtlerderWienerFakultätunddieStrafrechtsreform652
Zentrale Rechtsquelle des österreichischen Strafrechtes war im gesamten hier
dargestellten Zeitraumdas Strafgesetz vom27.Mai 1852, das aber selbst kein
wirklich neuesGesetzbuch, sondern lediglich eineÜberarbeitung desmateri-
ellrechtlichenTeilsdesStrafgesetzbuchesvom3.September1803gewesenwar.
Seitdemhatte es zahlreicheAnläufe zueinerGesamtreformdesStrafrechts ge-
geben, die aber allesamt scheiterten; erst 1975 konnte das heute geltende
Strafgesetzbuch inKraft treten.653AndiesenReformarbeiten hatten die Straf-
rechtler derWiener Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät stets regen
Anteil, und einige von ihnenwarenauchMitgliederderdiversenReformkom-
missionenwie bspw.HeinrichLammasch,Carl Stooss oderWenzelGleispach.
Besonders intensivmit der Frageder Strafrechtsreformundvor allemmit der
damit verbundenenRechtsangleichunganDeutschlandbeschäftigte sichWen-
649 Runderlass Schobers vom13.10. 1924,ArchivderBundespolizeidirektionWien,Norma-
lien1920–1938,Pr.Z.II-864/2.Hervorhebung imOriginaldurchUnterstreichung.
650 Runderlass Schobers vom13.10. 1924,ArchivderBundespolizeidirektionWien,Norma-
lien1920–1938,Pr.Z.II-864/2.
651 Runderlass Schobers vom13.10. 1924,ArchivderBundespolizeidirektionWien,Norma-
lien1920–1938,Pr.Z.II-864/2.
652 Zur Strafrechtsvereinheitlichung vgl. Goltsche, Entwurf eines Allgemeinen Deutschen
Strafgesetzbuches.
653 Olechowski, ZurEntstehungdesStrafgesetzes1852,bes. 341. Die
judiziellenFächer460
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik