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Ferdinands-UniversitätdasDoktoratderRechteerworben,bevorernachWien
übersiedelte,wo erAdvokaturs-Konzipient, später Juristenpräfekt anderThe-
resianischenAkademiewurde – eine Stelle, die nach ihmu.a. auchBernatzik
eineZeitlang(1887–1891)versehensollte.MenzelsanfänglichesFachgebietwar
dasZivilrecht, indemersich1882auchhabilitierte.EinJahrspäterkonvertierte
er vom Judentum zumKatholizismus, was ihm die weiteren Karriereschritte
öffnete.16 Als Österreich mit dem Unfallversicherungsgesetz 1887 und dem
Krankenversicherungsgesetz 1888 die ersten Sozialgesetze erhielt, warMenzel
einerderersten,der sichmitdiesergänzlichneuartigenMateriebefasste.Über
das Sozialrecht »wanderte« er allmählichvomPrivat- in dasöffentlicheRecht,
sodass er 1889 zum außerordentlichen Professor und 1894 zumordentlichen
Professor fürVerwaltungsrecht anderUniversitätWienernanntwurde.
1902wurdeLustkandlemeritiert,17woraufBernatzikvorschlug,Menzelauch
mitdemFachStaatsrechtzubetrauenundfürdasFachVerwaltungsrechteinen
neuenExtraordinarius zu ernennen. Bis zurVerwirklichungdieses Extraordi-
nariats sollte es allerdings noch fünf Jahre dauern, undwiedermischten sich
antisemitische Untertöne in die Berufungspolitik: Denn von den in Frage
kommendenBewerbernwar –wie SigmundAdler auchhervorhob18 –der Ti-
tularprofessor Friedrich Tezner sicherlich der am besten Qualifizierte, hatte
aber,daernichtnurjüdischerHerkunftwar,sondernauchanseinemjüdischen
Glauben festhielt, keine Chance. Vielmehr wurde er – pari passu mit Carl
BrockhausenundRudolfHerrmannv.Herrnritt–andiezweiteStellegesetzt,der
ausGraz stammendeMaxLayerdagegenandie ersteStelle.
Friedrich Tezner19 war 1856 in Beraun [Beroun/CZ] in Böhmen geboren
worden und hatte sich 1892mit einer Arbeit »Zur Lehre von dem freien Er-
messen derVerwaltungsbehörden als Grund derUnzuständigkeit derVerwal-
tungsgerichte« an der Universität Wien habilitiert. Es war dies nur eine von
vielennachfolgendenSchriften, indenen er sich intensivmit demVwGHaus-
einandersetzte,worin–unbeschadet seinesWirkens imStaatsrechtund inder
Rechtstheorie – der Schwerpunkt seines wissenschaftlichen Werkes erblickt
werdenkann.Dennochwurde ihmeineStelle imVwGHlangeZeit verweigert,
wofür ähnliche Gründewie an der Universität ausschlaggebend gewesen sein
16 Staudacher, ZwischenEmanzipationundAssimilation45,nennt irrtümlich1893als Jahr
der KonversionMenzels, vgl. dazuOlechowski, VonGeorg Jellinek zuHansKelsen (im
Druck).
17 Er starb am 18.6.1906 inWien; vgl. Brigitte Böck, LustkandlWenzel, in:ÖBLV (Wien
1972)376.
18 Minoritätsantrag SigmundAdler, undatiert, vermutlich vomDezember 1902,ÖStA AVA,
UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton612,PersonalaktMenzelAdolf, fol. 37r.
19 ThomasOlechowski, Tezner Friedrich, in:ÖBL65. Lfg. (Wien2014) 276; Schwärzler,
Tezner;Winkler,Rechtswissenschaft 89–93; siehezu ihmnochunten611.
AllgemeinesundösterreichischesStaatsrecht 469
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik