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hervorragendenTalentes ist und eine gewöhnlicheHabiliationsschrift in jeder
Beziehungüberragt.«26WeshalbBernatzikimJahre1902ausdrücklicheindrittes
Ordinariat für die von ihm und Menzel betreuten Fächer für »nicht wün-
schenswert« bezeichnet hatte,27 ist unklar; 1907 jedenfalls revidierte er seine
Meinungundschlugnunmehrvor, eindrittesOrdinariatzuschaffenunddiese
Stelle mit Layer zu besetzen, was auch –mit Wirkung vom 1. April 1908 –
erfolgte, jedochmit der wesentlichenModifikation, dass Layer auchmit der
AbhaltungvonLehrveranstaltungenausKirchenrechtbetrautwurdeundsoden
am10.Februar1906verstorbenenKarlGroßersetzensollte.28DieFakultäterhob
dagegenBeschwerdebeimMinisterium,wasabermitderBerufungLayersnach
GrazmitWirksamkeit vom 1.Oktober 1908 hinfällig wurde.29Der Lehrstuhl
bliebbisaufweiteresunbesetzt;erst1911wurdedasöffentlicheRechtumeinen
weiterenExtraordinarius,Rudolf v. Laun, verstärkt.30
Laun,311882 inPrag [Praha/CZ]als SohneinesOffiziersgeboren,hattedort
sowie in Pilsen [Plzenˇ/CZ] undGörz [Gorizia/IT] die Schule besucht sowie in
Wien und Paris die Rechte studiert; 1906 erfolgte seine Promotion zum JDr.,
worauf er in die Finanzprokuratur eintrat. 1908 habilitierte er sichmit einer
Schriftüber»DasRechtzumGewerbebetrieb« fürdieFächerVerwaltungsrecht
undVerwaltungslehre.321910erschienseineMonographie»Das freieErmessen
undseineGrenzen«,womit er sich jenesThemasannahm,mitdemsichknapp
zwanzigJahrezuvorTeznerhabilitierthatteundwelchevielBeachtungerfuhr.33
1914–1916 imKriegsdienst, schiederalsHauptmannausderk.u.k.Armeeaus
undwurde derAbteilung für Verfassungsrevision desMinisterratspräsidiums
zugeteilt, vonwo er 1918 in das Staatsamt fürÄußeres der jungen Republik
wechselte.
26 A.u.Vortrag vom19.6. 1903,ÖStAAVA,UnterrichtAllg., Univ.Wien,Karton 612, Perso-
nalaktMenzelAdolf, Z8917/1903, fol. 16r.
27 Komiteebericht vom6.12. 1902,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton612, Per-
sonalaktMenzelAdolf, fol. 23r–25v.
28 A.u.VortragdesMinistersvom1.11. 1907samta.h.Entschließungvom12.11. 1907,ÖStA
AVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton611,PersonalaktLayerMax,Z8045/1907.Vgl. zu
ihmauchdas 1934 von ihmverfassteCurriculumvitae inAÖAW,Personalakt LayerMax.
29 SchreibendesDekansPhilippovichvom16.3. 1908,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,
Karton611,PersonalaktLayerMax,Z965ex1907/08;einEntwurf füreinAntwortschreiben
liegt imAkt,wurdeabernichtausgefertigt,sondernaufgrundderErnennungLayersinGraz
»adacta«gelegt.
30 SchreibendesDekansandasMinisteriumvom21.1.1910undReferentententwurfZ2291/
1910,beide in:ÖStAAVA,Unterricht allg.,Univ.Wien,Karton608,Verwaltungsrecht.
31 Vgl. zu ihmBiskup, Laun.
32 Eigenhändiger Lebenslauf, unvollständigüberliefert unddaher undatiert, vermutlichvom
13.2. 1908,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton611,PersonalaktLaunRudolf.
33 Die Behauptung vonGeorg Stadtmüller, Laun, Rudolf Edler von, in: NDBXIII (Berlin
1982) 715 es habe sich hierbei um die Habilitationsschrift gehandelt, ist, wie aus dem
Habilitationsakthervorgeht, unrichtig.Vgl. zurHabilitationauchBiskup, Laun27.
AllgemeinesundösterreichischesStaatsrecht 471
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik