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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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nurBeweisdafür,dassauchunzweifelhaftdemokratischgesinnteIntellektuellein Österreich zu jener Zeit für eineVereinigungmit einem– demokratischen! – DeutschenReichplädierten.WasKelsendagegenvomNationalsozialismushielt, wird in seiner 1932 erschienenenSchrift »VerteidigungderDemokratie« deut- lich, in der er vor einer »Vernebelungder politischen Ideologien«warnt: »Die Intellektuellen, die heute gegen die Demokratie kämpfen und damit den Ast absägen,aufdemsiesitzen, siewerdendieDiktatur,die sie rufen,wennsieerst unter ihr lebenmüssen,verfluchen,undnichtsmehrersehnenalsdieRückkehr zuder von ihnensoverlästertenDemokratie.«Er selbst nahmsichvor, »seiner Fahne treu [zu] bleiben, auch wenn das Schiff sinkt«.91 Indem er 1933 ins schweizerische,1940insamerikanischeExilging,umvondortweiterfürFrieden undDemokratie einzutreten, erfüllte er das amVorabenddesUntergangesder WeimarerRepublikgegebeneVersprechen. b) Adolf JuliusMerkl Vermutlich noch vor Ausbruch des ErstenWeltkrieges hatte Kelsen damit be- gonnen, einenKreisvonSchülernumsichzuversammeln;währendderKriegs- jahre, als Kelsen keine Lehrveranstaltungen halten konnte, wurden diese Ge- sprächsrundeninseinerPrivatwohnunginderWickenburggassefortgeführt,der KreisderTeilnehmer immergrößerunddieTreffenwohlauchregelmäßiger.Der bereits erwähntePitamic erinnerte sich später »mitVergnügender Zusammen- kunft rechtsphilosophisch interessierter Personen an Sonntagnachmittagen in [Kelsens]WienerHeim; auf Grund vonReferaten entwickelten sich dann inte- ressante Diskussionen.«92 Unterbrochen wurden die Gespräche nur von den Kaffeejausen,dieGreteKelsenfürdieGästevorbereitethatte,ansonstenwollteder »Kreis umKelsen« nicht gestört werden, was der Hausherrin angeblich sogar durch ein elektrisch beleuchtetes Schild an der verschlossenen Zimmertür be- deutetwurde.93DerSlowenePitamicwareinerderältestenTeilnehmeramKelsen- Kreis,nachdemZerfallderMonarchiestellteersichindenDienstdesneuenSHS- StaatesundverließdementsprechenddieUniversitätWien.94 Wesentlichgeprägtwurdeder»Kelsen-Kreis«dagegenvonAdolfJuliusMerkl, dernichtnuralseinerderältestenSchüler–erbesuchtevermutlichschon1911 Lehrveranstaltungen Kelsens – bezeichnet werden kann, sondern die Reine RechtslehreauchineinigenzentralenPunktenwesentlichweiterentwickelte.So stammt insbesondere die Lehre vomStufenbau der Rechtsordnung, die heute 91 Kelsen,VerteidigungderDemokratie236f. 92 Zit.n.Pavcˇnik, Pitamic325. 93 Zeleny,DieWickenburggasse42. 94 Pavcˇnik, Pitamic. DiestaatswissenschaftlichenFächer484
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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