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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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und1911dasDoktoratderRechtswissenschaftenerworbenhatte,bevorernach Wiengezogenwar,woer1917auchnochzumDoktorderPhilosophiepromo- vierte.Ab1919warerBeamterimStaatsamtbzw.Bundesministeriumfürsoziale Verwaltung und habilitierte sich 1922mit einer Arbeit über die »Theorie des Staatsgebietes«; die Gutachter, Kelsen undMenzel, beurteilten die Schrift als »gute wissenschaftliche Durchschnittsleistung« (!).123 1928 wurde er an die DeutscheTechnischeHochschule inBrünnberufenundgingvondort 1936an dieDeutscheTechnischeHochschule inPrag, 1942andieDeutscheKarls-Uni- versität Prag,wo erbis zuderenAuflösung1945blieb; 1948–1954 lehrte er in Würzburg.KelsenrechneteHenrichauchnoch1923zuseinenSchülern,obwohl Henrich schonbald invielenPunkten (so etwabei der FragenachderGrund- normoderbeiderIdentitätvonStaatundRecht)vondenLehrenseinesMeisters abwich.124 Noch eine zweite Habilitation eines Kelsen-Schülers erfolgte 1922: Am 4.Februar jenes Jahres legte Felix Kaufmann eine Arbeit über »Logik und Rechtswissenschaft«vor, inder er versuchte, eineBrückezwischenderReinen Rechtslehre und der Phänomenologie EdmundHusserls zu schlagen.125Kauf- mann,1895 inWiengeboren,war1919zumJDr.promoviertwordenundhatte danach dieRechtsanwaltsausbildung eingeschlagen, parallel dazu aber die Se- minareKelsens undMises‹ besucht, die er gemeinsammitHusserl zu seinem »Dreigestirn« erklärte.126 1922, kurz vor seiner Habilitation, veröffentlichte KaufmanninderZeitschrift fürÖffentlichesRechteinenBeitrag, indemersich zurKelsen-Sander-Kontroverseäußerteunddabei–wiezuerwarten–Parteifür seinenLehrerKelsenergriff.Mit seinerHabilitationsschrift beantragteunder- hielt Kaufmann (lediglich) die venia legendi für die Rechtsphilosophie ohne Verknüpfungmit einemrechtsdogmatischenFach–sichtbaresZeugnis fürdas gesteigerte Selbstbewusstsein dieses Faches. Kaufmann erlangte später auch noch einDoktorat derPhilosophischenFakultät undwarweiterwissenschaft- lich tätig (wobei er sich allmählich vonderReinenRechtslehreweg bewegte), erlangteaberniemalseineProfessur,sondernwarberuflichalsRepräsentantder Anglo-IranianOilCompany(einerVorläuferinvonBP)inÖsterreichtätig. 1938 mussteeraufgrundseinerjüdischenHerkunftindieUSAflüchten;erstarb1949 inNewYork.127 123 ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton610,PersonalaktHenrichWalter,BMUEZ 15175/1922. 124 Perthold-Stoitzner, Henrich 137. Siehe ebenda 135 auch zur Frage der – nicht zwei- felsfrei feststellbaren–NSDAP-ZugehörigkeitHenrichs. 125 ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton611,PersonalaktKaufmannFelix.Vgl. zu ihmWinkler,Rechtswissenschaft 195–237;Kristoferitsch,Orator, FelixKaufmann. 126 Furth, EinführungzuKaufmann,WienerLieder11. 127 Kristoferitsch,Orator, FelixKaufmann. DiestaatswissenschaftlichenFächer490
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938