Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Recht und Politik
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Seite - 491 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 491 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938

Bild der Seite - 491 -

Bild der Seite - 491 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938

Text der Seite - 491 -

KelsenhattesomitpraktischimJahresturnuseinenseinerSchülerhabilitiert: 1919Merkl,1920Sander,1921Verdroß(aufdenimKapitel»Völkerrecht«näher einzugehen sein wird128) und 1922 Henrich sowie Kaufmann. Je größer und selbstbewusster seineSchulewurde,desto stärkerwurdeaber auchderWider- stand, der sich gegen sie richtete. Einer der wichtigsten Gegner war der Völ- kerrechtler AlexanderHold-Ferneck, waswenigstens zumTeil darauf zurück- zuführen ist, dass er 1911 von Kelsen in dessen Habilitationsschrift massiv angegriffenwordenwar.129Als1920derKelsen-Schüler JosefLaurenzKunzdie venia legendi für Völkerrecht beantragte, gelang es Hold zwar nicht, dies zu verhindern, jedoch erheblich zu verzögern, sodass dieHabilitationKunz’ erst 1927 erfolgte; überdies verfasste er 1926 und 1927 gleich zwei gegen Kelsen gerichteteMonographien. Auch über diese Themenwird imKapitel »Völker- recht«mehrzuberichtensein.130 Hold-Ferneck spielte aber auch eine entscheidende Rolle bei der ebenfalls schwierigenHabilitationdesKelsen-SchülersFritzSchreier.131Dieserwarnach seinerPromotionam20.Februar 1920 zunächst indiePrivatwirtschaft gegan- gen;überVermittlungKelsenshatte Schreier einReisestipendiumerlangt,mit demer imSommersemester 1922nachFreiburg i.Br. reiste, umdort denPhä- nomenologen EdmundHusserl kennen zu lernen. Zurück inWien, veröffent- lichteereineMonographieüber»GrundbegriffeundGrundformendesRechts« indenWienerstaatswissenschaftlichenStudien,indererdieAnwendbarkeitder Phänomenologie auf das rechtswissenschaftlicheMaterial zu beweisen suchte und reichte sie bei der Fakultät als Habilitationsschrift ein. In derHabilitati- onskommission, die ausdenProfessorenSchey,Menzel,KelsenundHold-Fer- neck bestand, wurden die beiden letzteren zuGutachtern bestellt. Kelsen ver- fasste nicht nur ein Gutachten, in dem er die Bedeutung der Arbeit für die Rechtswissenschaftenpositivwürdigte, sondernholteaucheineStellungnahme vonHusserlpersönlichein;auchdieserbescheinigteSchreier»einenoriginellen undphil. sehr wertvollenBeitrag zu einer rein logischenDurchforschungder Grundbegriffe und Grundfragen des Rechts.« Genau dies wurde jedoch vom Zweitgutachter,Hold-Ferneck,kritisiert:Schreieruntersuchenurdas,was»von höchstgeringemInteresseist,denformalenBauderRechtssätze«undkümmere sich nicht umderen Inhalt. Damit übertreffe er noch Kelsen, der wenigstens zugebe,dassdasRecht einTeil desLebens sei.DieSchrift sei einBeweisdafür, dass es unmöglich sei, über Staat und Recht zu schreiben, wenn man vom Tatsächlichenabstrahiere.DamitwardasGutachtenHold-Fernecks (der selbst 128 Unten533f. 129 Kelsen,Hauptprobleme266=HKW2, 386undpassim.Vgl.Korb, KelsensKritiker 52. 130 Unten530f. 131 4.4. 1897–7.6. 1981; vgl. zu ihmLukas, Schreier;Ehs,Vertreibung indrei Schritten. AllgemeinesundösterreichischesStaatsrecht 491
zurück zum  Buch Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938"
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938