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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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inSchreiersArbeitdirektkritisiertwordenwar,diesjedochinseinemGutachten nicht erwähnte) ein Generalangriff auf die Reine Rechtslehre und deren zen- tralen Positionen. Nachdem er bereits in der Habilitationskommission den übrigendrei Stimmführernunterlegenwar, setzteHold-Ferneck in der Fakul- tätssitzung seinen Widerstand fort, fügte seinen eigenen Ausführungen ein negativesGutachtendesPhilosophenVictorKraft hinzuunderreichte es, dass sich die Professoren Schwind,Gleispachund Spann seinemSondervotuman- schlossenundsichgegendieHabilitationSchreiers aussprachen.132DasUnter- richtsministeriumhieltdieBedenkenderMinorität immerhin fürsogewichtig, dasseseinweiteresGutachten,undzwarvomOrdinariusfürPhilosophieRobert Reiningeranforderte.DieserjedochfühltesichnichtzueinemUrteilberufen,da er selbstdieMethodeHusserls »für verfehlt«hielt, aberanerkannte,dass sie in Deutschland »mehrere Anhänger« gefunden habe, und wenn man Husserls Lehre alsGrundlage nehme, so scheine es, dass dieHabilitationsschrift dieser Methodikentspreche.DasMinisteriumentschied sichhierauf, dieHabilitation zubestätigen.133 Ab1929war Schreier als Rechtsanwalt tätig; imZusammenhangmit dieser Tätigkeit kam es 1934–1936 auch zu einemDisziplinarverfahren an derUni- versität gegen ihn, das jedoch eingestellt wurde; zu Recht hatte Schreier vor- gebracht,dassder strittigePunkt (esgingumdieAbrechnungeinesHonorars) mit seiner Tätigkeit als Privatdozent nichts zu tun habe.134Am17.März 1938 wurdeSchreieraufgrundseiner jüdischenAbstammungverhaftetundzunächst in das KZDachau, dann in das KZ Buchenwald deportiert, jedoch schon am 25.November 1938 entlassen, worauf er in die Schweiz und in die USA emi- grierte. Er starb1981.135 1928 erschien die bislang umfangreichste gegen Kelsen gerichtete Kampf- schrift, und auch siewar von einemFakultätsmitglied verfasst: DieMonogra- phie »Grundlagen und Grundfragen des Rechts« des Rechtshistorikers Ernst Schwindwarein158Seiten starker geballterAngriff aufdieReineRechtslehre, jedoch rechtstheoretisch so dilettantisch verfasst, dass Kelsen später erklärte, dasser inseinerGegenschriftmitSchwind»leichtesSpiel«und»dieLacherauf 132 ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton613,Personalakt Schreier Fritz, BMUEZ 17322/1924.DasGutachtenKrafts ist – imGegensatz zudenGutachtenKelsens,Husserls undHold-Fernecks–nicht erhalten. 133 ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton613,Personalakt Schreier Fritz, BMUEZ 3137/1925.Vgl. zumVorstehendenauchKorb,KelsensKritiker95f. 134 SieheausführlichLukas, Schreier 472; vgl. auchoben95. 135 SeineErlebnisse imKZhat er ineinemManuskript »DachauundBuchenwald.EinTatsa- chenbericht«verarbeitet,vondemsicheinExemplaramHansKelsen-Institutbefindet.Vgl. Lukas, Schreier473. DiestaatswissenschaftlichenFächer492
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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