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erwarteten – Anschluss an das Deutsche Reich zusammen.141 Zu diesen war
nunmehrauchKelsenselbstgestoßen,währendBernatzikundLammaschzwar
nochaufderTiteleiaufschienen, jedochbereitsmiteinem†zumZeichendafür,
dassbeidenochvorAbschlussdeserstenBandes(1919/1920)verstorbenwaren.
Abdem2.Band(1920/21)warKelsendannHauptherausgeberundbliebdiesbis
1933. Autorenwaren – neben denHerausgebern (zu denen 1920Max Layer,
später auchandereGelehrte, auchausdemAusland, traten) – inderAnfangs-
phase vor allem Schüler Kelsens (Merkl, Sander, Pitamic u.v.a.), auch dieser
Kreis erweiterte sichallmählichundwurde international. EchteKelsen-Gegner
publiziertenkauminderZÖR;eineAusnahmebildetev.a.OthmarSpann,der
hier schon1921kritisch»überdasVerhältnis SeinundSollen« schrieb.142Dem
widerspricht esnicht, dass auch innerhalbderWiener Schulemitunterheftige
KontroversenvermittelstderZÖRausgefochtenwurden–wieinsbesondereder
vorhin geschilderte Konflikt zwischen Kelsen und Sander. Quantitativ be-
trachtet, befassten sich die Aufsätze vor allemmit Verfassungsrecht undmit
Rechtstheorie (jeweils ca. 30%), während Verwaltungsrecht und Völkerrecht
eherRandgebieteblieben.1431925übernahmAlfredVerdrossdieSchriftleitung
derZÖR,währendKelsen1926gemeinsammit FrantisˇekWeyr (Brünn [Brno/
CZ])undL¦onDuguit(Bordeaux)die»InternationaleZeitschriftfürdieTheorie
desRechts« gründete, was zu einer gewissenKonkurrenzsituation führte. Der
eigentlicheBrucherfolgtenachdenpolitischenVeränderungen inDeutschland
undÖsterreich.Kelsenberichtet: »ImJahre1934wurde ichvonderRedaktion
und demVerlag [Springer] gezwungen, dieHerausgeberschaft niederzulegen,
mit derBegruendungdass ein Jude alsHerausgeber – einer inOesterreichvor
dem Anschluss erscheinenden wissenschaftlichen Zeitschrift! – nicht mehr
tragbarsei.«144KelsenverzichtetezunächstnuraufdieHauptherausgeberschaft,
denner schien inden folgendendreiBändennoch inder alphabetischenAuf-
listungdesmittlerweileauf15PersonenangewachsenenHerausgebergremiums
auf, 1938 verschwand seinName ganz vonder Titelei, währendVerdross zum
Hauptherausgeberaufrückteunddiesbis zu seinemTod1980blieb.Nachdem
Kriegkames zueinerAussöhnungzwischen ihmundseinemeinstigenLehrer
Kelsen,145der ab1951auchwieder zumHerausgebergremiumzählteundnoch
biskurzvor seinemTod inderZÖRpublizierte.
141 Vgl. dasGeleitwort inZÖR1(1919)XI.
142 Spann, SeinundSollen.
143 Spörg, Zeitschrift fürÖffentlichesRecht153.
144 Kelsen,Autobiographie11 (45).
145 Busch,Verdroß163.
DiestaatswissenschaftlichenFächer494
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik