Seite - 502 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Bild der Seite - 502 -
Text der Seite - 502 -
Weberszeigt,wohlnichtleichtalseinunwissenschaftlichesBeginnenangesehen
werden.«172
Vonbesonderem Interesse fürMethodologie undWeltanschauungMenzels
ist dieMonographie »Der Staatsgedanke des Faschismus«, die er 1935 publi-
zierte. Er bezeichnete sie als eine rein »theoretischeAbhandlung«, die »weder
mit PropagandanochmitKritik etwas zu schaffen«habe; aber schondieTat-
sache, dass er bereits imVorwort denBegründer des Faschismus als »genial«
bezeichnete und diesen über breite Streckenwörtlich undunkommentiert zi-
tierte, sodass er sichdessenAussagen zuzueignen schien, zeigt doch,wo seine
Sympathien lagen.173Tatsächlich konstatierteMenzel »mit Genugtuung«, dass
manchedervonihmschon1915beiseinerRektoratsredegeäußertenAnsichten
auch »im faschistischen Staatsgedanken auftauchen, selbstverständlich ohne
daß irgendein äußerer Zusammenhang bestände.«174Menzel bezeichnete den
Faschismusals»eineArtvonReligion«,allerdingsnureine»Diesseitsreligion«,
diemitder »Jenseitsreligion, insbesonderedeskatholischenChristentums«ei-
nige »gemeinsame Grundgedanken« teile, wie etwa »die Existenz einer ›ge-
weihten Schar‹, die über die Masse hinausragt; dem Priestertum der Kirche
gleicht gewissermaßen die faschistische Elite.«175 Zugleich aber zitierte er
Mussolini, dassderFaschismusdie»reinereFormderDemokratie« sei, der im
Gegensatz zur parlamentarischen Demokratie nicht von einer formalen
Gleichheit aller Menschen ausgehe, sondern vielmehr die »unbehebbare,
fruchtbareundheilsameUngleichheit unterdenMenschen«bejahe.176
Kein Wort verlor Menzel in seiner Schrift darüber, welche Gefahren aus
solchenLehrenfürdasJudentum,dessenGlaubenerzwarnichtmehrteilte,dem
er aber entstammte, drohenkonnten. 1938 veröffentlichte der 81-jährige noch
einen »Grundrißder Soziologie«,musste aber imselben Jahr infolge der poli-
tischen Ereignisse aus demHerausgeberkollegium der ZÖR ausscheiden und
»die letztenMonate seinesErdendaseins inVerbitterungundVerzweiflungzu-
bringen«.177Und als Menzel am 12.August 1938 inWien starb,178 durfte mit
Ausnahme des Almanachs der Akademie, für die HansMayer einenNachruf
verfasste, keinewissenschaftlicheZeitschriftüberMenzelsAblebenberichten.
»Eine verblendete Irrlehre hatte ja selbst diesen grundgütigen, vornehmen
172 Menzel, Beiträge565.
173 InseinemNachruf istAdamovich,Menzel8,bemüht,denwissenschaftlichenWertdieser
Schrift hervorzuheben,mussaber einbekennen, dassMenzel der faschistischenOrdnung
imWesentlichenzustimmendgegenüber stand.
174 Menzel, StaatsgedankedesFaschismus129.
175 Ebd.15–17.
176 Ebd.47.
177 Adamovich,Menzel 10.
178 ObereinesnatürlichenTodesstarb,istnichterkennbar;vgl.diekryptischeBemerkungbei
Adamovich,Menzel 7.
DiestaatswissenschaftlichenFächer502
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik