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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Seite - 505 -
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Über der Berufung Layers nachWien stand, wie er selbst 1934 resümierte, »kein glücklicher Stern«. Es begannmit einer, vermutlich beimWandern zu- gezogenenKniegelenksentzündung,dienievölligausheilteunddasEndefürdas Lieblingshobbydes geübtenBergsteigers bedeutete. FernerwarLayer – sowie Kelsen und die Mehrzahl der übrigenMitglieder des VfGH – ein Opfer von dessen»Umpolitisierung«undschiedmit15.Februar1930ausdieserFunktion, indieeram3.Dezember1924vomNationalrat»aufLebenszeit«gewähltworden war, aus.189Die schwerstenFolgen für ihnpersönlichhatte es jedoch, als Layer öffentlichundpublizistischgegendenVerfassungsbruchdesJahres1933auftrat: Als am4.März 1933 die dreiNationalratspräsidenten zurücktratenund somit zumindest das PlenumdesNationalrates handlungsunfähigwar, unterließdie Bundesregierung jedeMaßnahme, umdas Problem zu beheben, ja unterband sogarjedeInitiative,denNationalratzuaktivierenunderklärte,dassdiesersich »selbst ausgeschaltet« habe. Gestützt auf das Kriegswirtschaftliche Ermächti- gungsgesetz (KwEG) aus dem Jahr 1917 begann sie, gesetzesvertretende Ver- ordnungen zu erlassen, die ganz eindeutig darauf abzielten, das parlamenta- risch-demokratische System inÖsterreich zu zerstören, so etwa durch Zen- surmaßnahmenundParteienverbote.Als imJuni1933auchderVfGHmiteiner solchenVerordnungausgeschaltetwurde, erhobenauf InitiativeLayers die ju- ristischen Fakultäten vonWien, Graz und Innsbruck einen Protest, der aller- dingskeineWirkungzeigte.190»Obgleich ichmichniemalsaktivampolitischen Leben beteiligte und niemals einer politischen Partei alsMitglied angehörte, habe ichdochausmeinernationalenGesinnungnieeinHehlgemachtundbin stets fürdasrechtsstaatlichePrinzip, fürVerfassungs-undGesetzmässigkeit im Staateeingetreten«, erklärteLayerdazuspäterbegründend.191 Im Sommer 1933 brachte die reichsdeutsche Zeitschrift »Verwaltungsar- chiv«192 einDoppelheft, das sich ganz auf die Entwicklung inÖsterreich kon- zentrierte.VondenzehnBeiträgenstammtenneunvonMitgliedernderWiener Juristenfakultät, der zehnte vonNorbertGürke, dem jungen, nochnicht habi- litiertenAssistentendes Jenaer StaatsrechtlersOttoKollreuter, derdiese ganze Aktion initiiert hatte. Es handelte sich um einen geballten wissenschaftlich- publizistischen Angriff der österreichischen Staatsrechtslehre auf den autori- tärenKurs,dendieRegierungDollfuß imMärz1933eingeschlagenhatte,wobei der Tonfall und die Intensität der Kritik freilich verschiedenwar. Behandelte 189 Layer selbst (AÖAW, Personalakt Layer, curriculumvitae, S. 4) spricht vom 31.1. 1930, wobeier jedocheinemIrrtumunterliegendürfte;dasrichtigeDatumergibtsicheindeutig aus§25V-ÜG7.12. 1929BGBl393/1929. 190 Vgl. dazuschonOlechowski, Staudigl-Ciechowicz, Staatsrechtslehre233. 191 AÖAW,PersonalaktLayer, curriculumvitae, S. 5. 192 DiesewarzudiesemZeitpunktbereitsmitdemNS-Regime»gleichgeschaltet«worden,vgl. hiezuStolleis,GeschichtedesöffentlichenRechts III, 304 f. AllgemeinesundösterreichischesStaatsrecht 505
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Titel
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Autoren
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2014
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
838
Kategorie
Recht und Politik
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938