Seite - 508 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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ferne« bestehe, »als er infolge dieses Artikels selbstverständlich für eine be-
günstigteAusnahme[…]nichtmehrinBetrachtgezogenhättewerdenkönnen«.
Die Einwendungen Layers veränderten jedoch die Sachlage, dasMinisterium
beschloss, nichtdirekt imPensionierungsdekret auf sie zuantworten, sondern
einen Erlass an das Dekanat zu richten, dessen Inhalt auch Prof. Layer zur
Kenntnis zu bringen sei.202 In diesemErlasswurde u.a. ausgeführt, dass Prof.
LayereinenArtikelveröffentlichthabe, indem»eineüberaus scharfeKritikan
derVerfassungs-undGesetzmässigkeiteinerReihevonwichtigen, inletzterZeit
vonderösterr.BundesregierungerlassenenNormengeübtwird.«Insbesondere
der letzte Absatz dieses Artikels enthalte »einen hemmungslosenAngriff aus-
gesprochen politischen Charakters gegen die Bundesregierung. […] unbe-
schadet der Freiheit derWissenschaft und ihrerLehre, sowieder freienpoliti-
schenMeinungsäusserung und unabhängig von jedemGegensatze der politi-
schen Einstellung« zeuge dies von einem »Mangel jener Loyalität, die jeder
BundesbürgerseinerHeimatschuldet.[…]Dieungebührlicheundbeleidigende
Schreibweise der von Prof. Layer als ›Einwendungen‹ bezeichneten Eingabe,
wirdhiemitausdrücklichfestgestelltundwerdengegebenenfallsweitereSchritte
vorbehalten.«203
VonderartigenSchritten istnichtsbekannt;dochgingnunLayerseinerseits
indieOffensiveunderhobgegenmehrereZeitungenEhrenbeleidigungsklagen;
tatsächlich erfolgte am20.April 1934 eineVerurteilungder »Wiener Zeitung«
durchdasWienerStraflandesgericht.204WieLayerberichtet, bot ihmnunmehr
dieUniversität Köln einen Lehrstuhl für Staatsrecht an – es handelte sichum
dieselbe Universität, an der der vom NS-Regime zwangspensionierte Hans
Kelsen (offiziell bis zum 31.Dezember 1933) gelehrt hatte.Mit Rücksicht auf
sein Alter und seine angeschlagene Gesundheit lehnte Layer ab. Dagegen be-
reitete es ihmdie »schönste Genugtuung«, dass er am29.Mai 1934 zumkor-
respondierendenMitglied derWiener Akademie derWissenschaften gewählt
wurde.205Die Akademie hatte sich damit in eine bemerkenswerte Opposition
zumautoritärenRegimegestellt undsteuerte einenKurs, densienachderNS-
Machtergreifungunverändert fortsetzenkonnte:Am7.August1940wurdeMax
Layer zu ihrem ordentlichenMitglied ernannt. Der Vorschlag hiezu war von
ErnstSchönbauergekommen,derbegründendausgeführthatte,dassmaneinen
»MärtyrerderWissenschaft«ehrensollte.206LayerhattenurwenigGelegenheit,
202 Referentenentwurf zumBMUE,ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton611,Per-
sonalaktLayerMax,Z27798/I-1 ex1933.
203 ÖStA AVA, Unterricht Allg., Univ.Wien, Karton 611, Personalakt LayerMax, BMUE Z
27798/I-1 ex1933.
204 AÖAW,PersonalaktLayer, curriculumvitaeS. 6.
205 Ebd.S. 7.
206 AÖAW,PersonalaktLayer,Wahlvorschlag30. 4. 1940,Zl 130/1940.
DiestaatswissenschaftlichenFächer508
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik