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inwieweit politische Hintergründe hier eine Rolle gespielt hatten, kann den
Aktennicht entnommenwerden.244 Inder sog.Verbotszeit betätigte sichBrau-
nias illegal für dieNSDAP,musste zwar als »Mischling erstenGrades« im Juli
1938 seine venia wieder zurücklegen, setzte aber seine Karriere – sowohl im
AuswärtigenDienst desDeutschenReiches als auchnach 1945 inder Zweiten
Republik– fortunderhielt auch1947seineLehrbefugnis erneut verliehen.
Etwasnäher einzugehen ist hier aufHelfriedPfeifer,245der sich1935 fürdie
FächerVerwaltungsrecht undVerwaltungsverfahren habilitierte. Das Studium
derRechtswissenschaften hatte er inWienund Innsbruck absolviert undwar
nach dem Gerichtsjahr in den Verwaltungsdienst der niederösterreichischen
Landesregierungeingetreten,woerzunächst indenBezirkshauptmannschaften
Amstetten,Bruck/LeithaundScheibbs tätigwar.Von1933bis1937arbeitete er
in der Sozialversicherungsabteilung der niederösterreichischen Landesregie-
rung; hier entstand eine Reihe von einschlägigen Arbeiten, darunter die
rechtspolitische Schrift »Fürsorgerechtsreform« (1933) und seine Habilitati-
onsschrift über »Grundsätze und Probleme des österreichischen Sozialversi-
cherungsrechts«.
Pfeiferwarnationalsozialistischgesinntundhattez.B.alsPolizeireferentbei
der Bezirkshauptmann Scheibbs mehrere Nationalsozialisten vor Bestrafung
geschützt, tratabererstnachdem»Anschluß«,am1.5.1938,derNSDAPbei.246
Zugleich beantragte er eine Erweiterung seiner venia um das Staatsrecht;
Grundlage dafür war ihmeine rechtsvergleichende Schriftüber das deutsche,
italienische undösterreichische Staatsrecht, die er schon inderZeit davor ge-
schrieben, nach den jüngsten politischen Entwicklungen aber umgearbeitet
hatte. 1940wurdeerzumao.Professor, 1944zumo.Professor inWienernannt
und1945indenRuhestandversetzt.Pfeifers letztlicherfolgreicheBemühungen
um einWiedererlangen seiner venia und die neuerliche Verleihung des Pro-
fessorentitels 1965 sind einLehrbeispiel fürdenUmgangÖsterreichsmit ehe-
maligenNationalsozialistennachdem2.Weltkrieg;hier istdaraufebensowenig
einzugehenwieaufdiepolitischeKarrierePfeifers inVdUundFPÖ.247
Nurkurzerwähntsei schließlichnochHansSpanner,248der inGrazstudiert,
sichhiermit einerArbeitüberdenRechtsbestand irrigerVerwaltungsakteha-
bilitierthatteundseit1932 imVerwaltungsdienstdesLandesSteiermarkstand.
244 ÖStAAVA,UnterrichtAllg.,Univ.Wien,Karton609,PersonalaktBrauniasKarl.
245 31. 12. 1896–26.4. 1970,vgl.Schartner,Staatsrechtler96–150;Staudigl-Ciechowicz,
VonAdamovichbisPfeifer226–232.
246 Mitgliedsnummer6.104.797; vgl. Schartner, Staatsrechtslehrer97.
247 Dazu Schartner, Staatsrechtler 120 ff; Staudigl-Ciechowicz, Von Adamovich bis
Pfeifer229 ff.
248 3.8. 1908–26.1. 1991, vgl. Adamovich jun., Spanner; Schartner, Staatsrechtler 309–
320.
AllgemeinesundösterreichischesStaatsrecht 517
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik