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chen Staaten. Auch in der Volksbildung war Strisower tätig und nahm am
Vortragszyklus »ZwischenKrieg undFrieden« desWienerVolksbildungs-Ver-
eins teil, wo er zumThema »Der Krieg und die Rechtsidee« sprach. Als wis-
senschaftliches Hauptwerk Strisowers ist wohl das während des ErstenWelt-
krieges geschriebene, aber erst 1919 erschienene Buch »Der Krieg und die
Völkerrechtsordnung« anzusehen,welches auch einige allgemeineÜberlegun-
gen Strisowers über dasWesen des Rechts enthielt. Er sah das Recht als eine
sittlicheOrdnungan, die zuobjektiverGeltunggelange, indemsie regelmäßig
mit so großer Macht auftrete, dass die Menschen auf sie vertrauen können.
Insofern bedeutet ein Krieg den schwersten Einbruch in diese Ordnung.
StrisowerzufolgewareinKrieg»nurzumSchutzeinesRechtesvonSeitedeszu
diesem Schutze berufenen Staates zulässig«.268Dies aber festzustellen, müsse
einer »Vermittlungsinstanz« vorbehalten bleiben, wobei Strisower auf den
letztenSeitenseinesBuchesauchbereitsdenebengegründetenVölkerbundins
Spiel brachte.
Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten verfasste Strisower auch eine
Reihe vonGutachten, so etwa 1891 »über denAntrag des 9. österreichischen
Advocatentages, ›an allenösterreichischenUniversitätenVorlesungenüber in-
ternationalesPrivatrecht regelmäßig abzuhalten‹unddieses ›alsObligatenfach
undPrüfungsfacheinzuführen‹«.269 ImFrühling1921 folgteeinGutachtenüber
die Souveränität desFürstentumsLiechtensteinunddesFürstenvonLiechten-
stein.270StrisowerwarderösterreichischeVertreter indemdreiköpfigen Juris-
tenkomitee, das nachArtikel 195 des Staatsvertrages von Saint-Germain über
die Rückgabe vonverschiedenen aus Italien stammenden, nunmehr inÖster-
reichbefindlichenKunstgegenständenanItalienzuentscheidenhatte,darunter
etwa die in Palermo gefertigten Krönungsgewänder des römisch-deutschen
Kaisers. »In feinsinnigenPlädoyerswusste [Strisower] die Sache seinesVater-
landes vor dem Juristenkomitee der Reparationskommission zu vertreten«,
schreibtM¦tall.271
AlsHansKelsen1920zumDekangewähltwurde,»betrachteteeresals seine
Pflicht, alles daranzusetzen, dass sein alter LehrerLeoStrisower, der seit 1901,
also seit 20 Jahren, noch immerExtraordinariuswar, endlich zumOrdinarius
ernannt werde. […] Kelsens Antrag, Strisower für ein wirkliches Ordinariat
vorzuschlagen,stieß inderFakultätaufgewisseWiderstände,die freilichnichts
mit der wissenschaftlichenQualifikation zu tunhatten«,272 sondernwohl eher
268 Strisower,Krieg128.
269 ProtokolledesNeuntenÖsterreichischenAdvocatentages1–3, 5.
270 LI LAV 003/0337; online: [http://www.e-archiv.li/textDetail.aspx?backurl=auto&etID=
46038&eID=8–abgerufen18.12. 2013].
271 Métall,Strisower1,derallerdingsvontschechoslowakischenKunstforderungenschreibt.
272 Métall,Kelsen43,derallerdings irrtümlich1921/22alsZeitvonKelsensDekanatangibt.
Völkerrecht 525
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Titel
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Autoren
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2014
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 838
- Kategorie
- Recht und Politik